Freitag, 12. Februar 2021

Regionen wollen sich selbst Corona-Impfstoff beschaffen

Die italienische Regionen bemühen sich, unabhängig von der Zentralregierung in Rom, zusätzlichen Corona-Impfstoff zu erhalten. Die Region Venetien hat bei der italienischen Pharmabehörde AIFA einen Antrag für den eigenständigen Erwerb von 4 Millionen Covid-Impfdosen eingereicht. Auch Südtirol will diese Möglichkeit prüfen.

Italien hatte zuletzt Probleme mit den Impfstoff-Lieferungen.
Italien hatte zuletzt Probleme mit den Impfstoff-Lieferungen. - Foto: © APA (AFP) / MEHDI FEDOUACH
Bisher habe die Region aus Rom noch keine Antwort erhalten, betonte der Direktor des venezianischen Gesundheitssystems, Luciano Flor am Freitag.

Das grüne Licht der AIFA sei die Voraussetzung, um sich auf den freien Markt Impfdosen zu beschaffen. Venetien hat Interesse am Erwerb einiger Millionen Dosen in der Schweiz signalisiert. Diese sollen mit Friaul Julisch Venetien und Emilia Romagna geteilt werden. Erwartet werden noch die schriftlichen Angebote der Pharmaunternehmen.

Sollten sich die Verhandlungen nicht konkretisieren, könnten Kontakte zu Pharmaunternehmen in der Türkei, in Tunesien und in Russland aufgenommen werden, verlautete es in Venedig.

Auch Südtirol informiert sich über mögliche Impfstoff-Ankäufe

Nach Landesrat Thomas Widmann bestätigte auch Landeshauptmann Arno Kompatscher am Donnerstag, dass sich das Land Südtirol über mögliche Impfstoff-Ankäufe informiere: „Dabei halten wir Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium“, betonte Kompatscher. Und bei Südtirols Handelskammer werden ebenfalls entsprechende Überlegungen angestellt. „Ziel wäre es dann, den besten Impfstoff zu kaufen, der verfügbar und erschwinglich ist“, meint Präsident Michl Ebner.

Das Ganze könnte eine Frage des Preises werden: Dürfen die italienischen Regionen und Provinzen nur so viel für den Impfstoff zahlen wie der Staat, dann müssen womöglich die Betriebe die Mehrkosten übernehmen, damit der Kauf zustande kommt. Für Landesrat Thomas Widmann steht fest: „Die EU hat beim Einkauf der Impfstoffe massiv versagt. Deshalb ist es legitim, dass die Regionen versuchen, schneller Impfstoff zu bekommen – wie Israel. Einige italienische Regionen haben ja mehr Einwohner als europäische Staaten.“

Auch der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, versucht, Impfstoff für seine Region zu organisieren. In Zusammenarbeit mit den Handelskammern seiner Region will Cirio der römischen Regierung vorschlagen, autonom Impfdosen einzukaufen und dann an die Betriebe zu verteilen.

Einig sind sich alle Regionen darin, dass Ankäufe nicht ohne das Einverständnis Roms getätigt werden können. Zaia berichtete, dass seiner Region auch der russische Impfstoff Sputnik angeboten worden sei – ebenso ein Impfstoff aus China. Aber bevor diese nicht von der Europäischen Arzneimittelagentur freigegeben werden, sei ein Kauf undenkbar.

Engpässe bei der Impfstoff-Lieferung in Italien

Die Impfkampagne in Italien hat sich wegen Engpässen bei der Lieferung der Vakzine aus dem Ausland stark verlangsamt. Dieser Tage wird in einigen Regionen mit der Impfung von Senioren über 80 Jahren begonnen. In der norditalienischen Region Ligurien wurde als erste Person über 80 der Genueser Stararchitekt Renzo Piano geimpft.

Inzwischen erhielten 2,8 Millionen Italiener die erste Dosis. Der Reproduktionswert ist in Italien in einer Woche von 0,84 auf 0,95 gestiegen. Jeder fünfte Infektionsfall in Italien ist auf die englische Mutation zurückzuführen, teilten die Gesundheitsbehörden am Freitag mit.

apa/hof/stol