Die Problematik, die laut Gerold Steger 2021 begonnen hatte, betrifft mittlerweile Werkstätten in ganz Südtirol: Beim Kauf neuer Reifen wird Kunden automatisch die Entsorgung der Altreifen, der sogenannte PFU-Beitrag, verrechnet – pro Reifen rund 3,50 Euro. Werkstätten bezahlen den Beitrag wiederum an die Lieferanten. Wie per Staatsgesetz vorgesehen, sind mit der Abholung private Konsortien beauftragt, die die Altreifen zwischenlagern und schließlich der Wiederverwertung überlassen, wo sie als Gummimehl zu Flüsterasphalt verarbeitet oder als Granulat zu Outdoor-Böden gepresst werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Altreifen in der Umwelt entsorgt werden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71858596_quote" /><BR /><BR /> In der Theorie plausibel, in der Praxis schwierig. „Das jährliche Sammelkontingent ist viel zu gering und wird dem tatsächlichen Bedarf nicht gerecht. Abgeholt wird dann gar nichts mehr“, meint Steger. Wartezeiten von über sechs Monaten seien keine Seltenheit.<h3> Situation seit fünf Jahren unverändert</h3>Bis heute habe sich noch immer nichts getan. „Man hört, dass Reifen abgeholt werden, wenn man die Entsorgungsgebühr ein zweites Mal bezahlt. Das der Kundschaft doppelt zu verrechnen, wäre aber eine Frechheit und nicht die Lösung des Problems“, so Steger. Rund 500 Altreifen stapeln sich auf dem Parkplatz von Kfz-Steger. Eine provisorische Lösung, bei der nicht nur einige dringend benötigte Stellplätze der Werkstatt blockiert werden, sondern auch umwelt- und brandschutztechnische Fragen aufwirft. „Jedes Jahr kommt die Straßenpolizei zur Abfallkontrolle. Wenn die Reifen nicht ordentlich mit Nylon abgedeckt werden, drohen uns saftige Strafen“, berichtet Steger. Für seinen kleinen Betrieb sei die Lage kaum tragbar.<BR /><BR />Wo genau es hakt, kann der Kfz-Mechaniker nur vermuten: „Wenn Reifen in Italien verkauft werden, dann werden sie registriert und somit neue Kontingentplätze für Altreifen freigegeben. Werden aber zunehmend Reifen privat aus dem Ausland importiert, gerät das System ins Ungleichgewicht.“ Auch sei das Geschäft mit den Altreifen, anders als mit Autobatterien, ohnehin kein lukratives. Letztere sind vor allem aufgrund ihres wertvollen Bleigehalts heiß umworben.<h3> Protestmaßnahmen in Planung</h3> „Das Problem wird seit Jahren ignoriert, niemand kümmert sich. Das ist für mich unverständlich“, erklärt der sichtlich verärgerte Werkstättenbetreiber. Er hatte sogar versucht, das Amt für Umwelt zu kontaktieren – die Mail blieb aber bis heute unbeantwortet. Die Dringlichkeit der Situation zeigt sich auch in den geplanten Protestmaßnahmen: Steger und einige Berufskollegen hätten überlegt, zwei Wochen keine Reifen mehr zu montieren – und das kurz vor der alljährlichen Winterreifen-Wechselpflicht.<BR />„Muss man wirklich so weit gehen, um gehört zu werden?“, fragt sich Steger. Für ihn und viele andere Werkstattbetreiber steht fest: So kann es nicht weitergehen, jetzt ist die Politik am Zug.<h3> Zuständigkeit unklar</h3>Auch Julia Genetti, Obfrau der Kfz-Mechatroniker im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh, bestätigt die prekären Zustände in Südtirol und ganz Italien: „Dieses Thema ist ein heißes Eisen, keiner fühlt sich direkt zuständig.“ Sämtliche Versuche des lvh, in Zusammenarbeit mit dem nationalen Dachverband „Confartigianato Imprese“ in Rom eine Lösung zu finden, seien erfolglos geblieben. „Leider sind uns die Hände gebunden“, so Genetti.<BR />Vermutlich wird der Altreifen-Berg neben Gerold Stegers Kfz-Werkstatt auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter wachsen, während eine baldige Lösung nicht in Sicht ist.<h3> Das sagt das Land</h3><div class="img-embed"><embed id="1225962_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie errechnet sich das Kontingent der Altreifen, die entsorgt werden?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Giulio Angelucci: Es wird nach Mengen, Regionen und vorhandenen Kapazitäten festgelegt. Die gesetzliche Vorgabe verpflichtet zur Rücknahme der Reifen, die offiziell in Verkehr gebracht wurden, allerdings gelangen auch Reifen aus dem Ausland auf den Markt. Auch sind die Reifen eine Herausforderung für Logistik und Verwertungskapazitäten. So entstehen Verzögerungen.<BR /><BR /><b>Welche Maßnahmen sind geplant?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Angelucci: Auf lokaler Ebene besteht praktisch kein Spielraum, da das System auf staatlicher Ebene von privaten Konsortien organisiert wird. Man könnte das Kontingent neu verhandeln, aber die Landesverwaltung hat hierbei nur begrenzten Einfluss.