Dienstag, 12. Mai 2015

Reinhold Messner: Europa muss in Nepal helfen

Reinhold Messner sieht nach den verheerenden Erdbeben in Nepal die G-7-Staaten sowie die Alpenländer Europas in Sachen Wiederaufbau in der Pflicht. Die sieben führenden Industrienationen sollen vor allem den Wiederaufbau des UNESCO-Weltkulturerbes im Kathmandu-Tal finanzieren und in Angriff nehmen, sagte Messner am Dienstag im APA-Gespräch.

Foto: © APA/EPA

Italiens Premierminister Matteo Renzi habe ihn kürzlich angerufen und um Rat gefragt, wie Europa helfen könne. Renzi will die Nepal-Hilfe laut Messner beim nächsten G-7-Gipfel „andiskutieren“.

Gleichzeitig habe er sich auch gegenüber Renzi für ein verstärktes Engagement der Alpenländer Europas – also Italien, Österreich, Frankreich, Deutschland, Slowenien und der Schweiz – ausgesprochen, berichtete der Südtiroler. Diese sollten entweder parallel zur G-7-Hilfe oder – falls die führenden Industrienationen „nicht reagieren“ – als „zweiter Weg“ tätig werden.

Die Alpenländer könnten unter anderem in der Region Solo Khumbu bei den Sherpas helfen, wo ganze Landstriche zerstört worden seien, griff Messner nach eigenen Angaben eine Idee der Tiroler Bergsteigerlegende Wolfgang Nairz auf. Dieser war während des ersten Erdbebens am 25. April im Himalaja-Gebiet unterwegs.

"Einige tausend Tempel" müssen aufgebaut werden

Die Hilfe der G-7- sowie der Alpenländer solle aber aus logistischen Gründen erst nach den ersten Aufräumarbeiten über die Bühne gehen, betonte Messner. Die Kosten für den Wiederaufbau des UNESCO-Weltkulturerbes konnte die Alpinistenlegende nicht beziffern. Es handle sich jedenfalls um „einige tausend Tempel“.

Zudem müsse man darauf achten, dass die Gebäude – sowohl die Tempel als auch etwa Schulen – nunmehr erdbebensicher gebaut würden. Hier gelte es, entsprechende Technologien zu entwickeln.

Messner plädierte auch dafür, in der momentanen Phase Hilfsgelder privaten Organisationen, die Erfahrungen vor Ort einbringen könnten, zukommen zu lassen. Er warnte davor, diese etwa an Stiftungen in Nepal zu überweisen. Denn dort würden sie in einen Regierungstopf kommen, wo Steuern eingehoben würden.

„Die Situation muss man auch politisch sehen“, erklärte die Bergsteiger-Ikone. China und Indien könnten Interesse daran haben, „Nepal zu schlucken“, warnte Messner.

China könnte die Erdbebenhilfe als Gelegenheit nutzen, im Land zu bleiben. Nepal würde eventuell zur „Beute“. Hier seien die G-7 gefordert klarzustellen, dass China und Indien dort „nix verloren“ hätten.

apa

stol