<BR />Die riesige Kartoffelernte in Europa hat den Markt heuer völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. In vielen Ländern sind die Lager übervoll, die Abnehmer zögern, und die Preise sind so niedrig, dass viele Betriebe kaum noch ihre Kosten decken können. In manchen Regionen Nordeuropas wurden Felder gar nicht mehr abgeerntet, weil sich der Aufwand nicht mehr lohnte. Andernorts mussten Landwirte Teile ihrer Ernte zu Tiefstpreisen an Biogasanlagen abgeben – ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst die Lage derzeit ist.<h3> So viel wie selten zuvor geerntet</h3>Auch im Pustertal ist die Situation angespannt. Heuer wurden 6.050 Tonnen Erdäpfel geerntet, so viel wie selten zuvor. „Das sind etwa 20 Prozent mehr als in einem Durchschnittsjahr“, erklärt Hanspeter Felder. Die Qualität sei sehr gut. Rund die Hälfte der Menge sind Speisekartoffeln, die in Südtirol und Oberitalien verkauft werden, die andere Hälfte Saatkartoffeln, die traditionell den Weg in alle Teile Italiens und auch nach Spanien, Griechenland, Deutschland und Österreich finden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72332440_quote" /><BR /><BR />Die große Menge bereitet dennoch Sorgen. Der regionale Markt kann zwar einiges aufnehmen und auch die Bergkartoffel als Nischenprodukt ist weiterhin beliebt, aber das europaweite Überangebot drückt natürlich auch im Pustertal die Nachfrage. „Ich weiß nicht, ob wir heuer alle Erdäpfel verkaufen können“, sagt Felder offen. Hinzu kommt, dass der Kartoffelkonsum seit Jahren sinkt. Viele Handelsketten bestellen vorsichtiger, was den Absatz weiter bremst.<h3> „Ein historisch schlechter Preis“</h3>Auch die Preisentwicklung macht den heimischen Bauern zu schaffen. Bei der Genossenschaftsversammlung in Bruneck sprach Obmann Anton Mairhofer von einem „historisch schlechten Preis“. In den vergangenen zwei Jahren erhielten die Bauern noch etwa 70 Cent pro Kilogramm Kartoffeln. In der aktuellen Saison dürfte dieser Wert klar unterschritten werden. Felder wirbt dennoch um Zuversicht: „Jammern hilft nichts – und abgerechnet wird am Ende.“ Bis zum Herbst 2026 könne sich noch einiges ändern – und erst dann werde der definitive Auszahlungspreis ermittelt.<BR /><BR />Kurzzeitig gab es im Pustertal wegen der vielen Kartoffeln sogar Schwierigkeiten bei der Lagerung. Doch dieses Problem sei schnell gelöst worden, informierte Mairhofer die Genossenschaftsmitglieder. Die eigentliche Herausforderung liegt nun im Verkauf: Die Ware ist verfügbar, die Qualität hoch – doch der europäische Markt ist überfüllt.<BR /><BR />Für die Pusterer Kartoffelbauern wird es damit eine Saison mit ungewissem Ausgang. Die Genossenschaft setzt weiter auf eine intensive Vermarktung ihrer Bergprodukte und hofft, dass die Nachfrage nach heimischen Kartoffeln wieder steigt – auch bei uns im Land. Klar ist allerdings schon jetzt: Die Rekordernte wird unser Tal bis in den Herbst 2026 hinein beschäftigen.