Mittwoch, 28. März 2018

Religion kürzen macht Schule

Das steckt die Diözese dann nicht mehr „sportlich“ weg: Der Reihe nach kürzen Grundschulen derzeit die Religionsstunden, vor allem um mehr Platz zu schaffen für die Initiative „Sport macht Schule“. Bischof Ivo Muser bedauert die Entwicklung „sehr“, Landesrat Philipp Achammer verweist auf die Autonomie der einzelnen Schulen.

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Foto: © shutterstock

Das im Herbst 2017 präsentierte Maßnahmenpaket der Landesregierung unter dem Motto „Sport macht Schule“ sorgt seit Wochen für reichlich Bewegung in Lehrerkollegien, Schulräten und inzwischen auch am Bischöflichen Ordinariat und beim Landesrat für Schule. Die Initiative sieht vor, dass es in der ersten Klasse der Grundschule künftig 3 Wochenstunden Sport geben wird, bis zur Abschlussklasse der Mittelschule soll die Schülertruppe mit 2 Wochenstunden einigermaßen auf Trab gehalten werden.

Um aber ab Herbst dieses Jahres im bereits vollgeschriebenen Stundenplan Platz zu schaffen für gesunde Bewegung, schaufeln zahlreiche Schulen den Religionsunterricht zur Seite. Die Entscheidung trifft immer der Schulrat, meist auf der Grundlage eines Vorschlages im Lehrerkollegium. „In vielen Fällen wird die Reduzierung auf die einzelnen Fächer aufgeteilt, aber in einer Reihe von Schulen wird vor allem beim Religionsunterricht angesetzt“, bedauert Markus Felderer, Leiter des Amtes für Schule und Katechese in Bozen. Nach den dort vorliegenden Daten einer internen Umfrage wird in etwa der Hälfte der Schulen das Fach Religion zurückgedrängt. Dies könne man nicht einfach so hinnehmen, so der Amtsleiter.

„Religionsunterricht gehört zur Persönlichkeitsentwicklung“

Von der Entwicklung aufgeschreckt ist auch die Berufsgemeinschaft der Religionslehrer. Diese bedauerliche Entwicklung sei zum Schaden für die Lehrpersonen, aber vor allem für die Kinder und Jugendlichen, argumentiert der Vorsitzende Ricardo Brands da Silva. Bei einer Kürzung der Wochenstunden müssten Lehrpersonen im Fach Religion an noch mehr verschiedenen Schulstellen im Dienst sein, was zusätzliche Wege, Schüler und Sitzungen mit sich bringe. „Vor allem aber ist Religionsunterricht ein wichtiges Fach für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, zu der auch die religiöse Dimension gehöre“, betont der Vorsitzende der Berufsgemeinschaft.

Auch Bischof Ivo Muser, der die Kürzungen „sehr bedauert“, verweist auf die Persönlichkeitsentwicklung, zu der der Religionsunterricht beitrage. Auch um eine gute Beziehung zwischen Schülern und Lehrpersonen aufzubauen, brauche es Zeit, unterstreicht der Oberhirte der Diözese.

Dass diese Zeit „von oben“ festgelegt und fixiert wird, ist laut Landesrat Philipp Achammer aber nicht möglich. „Die Rahmenrichtlinien des Landes sehen keine Änderungen beim Fach Religion vor. Die Schulen handeln hier im Rahmen ihrer Autonomie, die eine Flexibilitätsquote von 20 Prozent bei der Gestaltung der Unterrichtszeit zulässt“, erklärt Achammer. Die Kürzungen beim Fach Religion will der Landesrat aber keineswegs als Zeichen dafür sehen, dass vor allem Grundschulen immer weniger davon wissen wollten. „Die Teilnehme der Schulen etwa an religiösen Feiern beweist, wie wichtig dieses Thema wahrgenommen wird.“ Weniger Zustimmung finde Religion wohl bei den Eltern – und da wünscht sich Achammer einen „breiten, positiven Dialog“ über die Vermittlung von Werten.

ler

stol