Montag, 14. Oktober 2019

Renten in Südtirol auf einen Blick

Jeder 4. Südtiroler ist Rentenempfänger im Jahr 2017. Insgesamt wurden 170.244 Rentenleistungen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro ausbezahlt. Dies zeigt die Analyse, welche das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) auf Grundlage der Daten des Verwaltungsarchivs „Casellario centrale dei pensionati“ des NISF durchgeführt hat. Beträchtlich ist das Gender Pension Gap: Wenn das Renteneinkommen eines Südtiroler Mannes 100 beträgt, erhält eine Rentnerin durchschnittlich 32,8 Prozent weniger.

Im Jahr 2017 lag das durchschnittliche Renteneinkommen eines Mannes bei 22.722 Euro, jenes einer Frau bei 15.275 Euro. Ausgehend von diesen Beträgen ergibt sich ein Gender Pension Gap von 32,8 Prozent.
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Im Jahr 2017 lag das durchschnittliche Renteneinkommen eines Mannes bei 22.722 Euro, jenes einer Frau bei 15.275 Euro. Ausgehend von diesen Beträgen ergibt sich ein Gender Pension Gap von 32,8 Prozent. - Foto: © shutterstock
Im Jahr 2017 werden insgesamt 170.244 Rentenleistungen an 126.177 Rentenempfänger ausbezahlt. Dies entspricht einer Steigerung von 0,4 Prozent bzw. 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gesamtbetrag aller Rentenleistungen beträgt 2.370 Millionen Euro und steigt damit nominal um 3,3 Prozent gegenüber 2016.

Rentenanzahl stabil, Rentenausgaben steigen moderat

Im untersuchten Zehnjahreszeitraum 2008-2017 nimmt
der nominale Gesamtbetrag der ausbezahlten Renten stetig zu. Lag er im Jahr 2008 noch bei 1.862 Millionen Euro, sind es im Jahr 2017 bereits 2.370 Millionen Euro. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Gesamtbetrag also nominal um 27,3 Prozent, was einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 2,7 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr nimmt der ausbezahlte Gesamtbetrag im Jahr 2017 um 3,3 Prozent zu.

Die Entwicklung der Rentenanzahl zeigt hingegen ein anderes Bild. Diese ist im Zehnjahreszeitraum 2008-2017 etwas, wenn auch nur leicht, gesunken (-1,7 Prozent). Seit 2011 ist die Gesamtanzahl der Altersleistungen rückläufig. Im Jahr 2017 stieg die Zahl der ausgezahlten Renten gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent.

Regionen im Vergleich

Der durchschnittliche Jahresbetrag der Rentenzahlungen ist in Südtirol mit 13.920 Euro höher als auf gesamstaatlicher Ebene: Der gesamtstaatliche Mittelwert von 12.478 Euro wird um mehr als tausend Euro übertroffen. Der höchste durchschnittliche Rentenbetrag wird in der Region Latium (14.175 Euro) ausbezahlt, der niedrigste in der Region Kalabrien (10.245 Euro).

Das positive Südtiroler Ergebnis wird relativiert, wenn man diese durchschnittliche Rentenzahlung mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Beziehung setzt. Der so berechnete Wert zeigt an, wie die durchschnittliche Rentenzahlung gemessen am allgemeinen Wohlstandsniveau zu bewerten ist. Dieser Index des relativen Nutzens erreicht seinen niedrigsten Wert in Südtirol (32,9 Prozent) im Vergleich zu 43,8 Prozent im italienischen Durchschnitt. Die Region Sizilien verzeichnet mit 64,0 Prozent hingegen den höchsten Wert.

Südtirols Rentner

Im Jahr 2017 beziehen in Südtirol 126.177 Personen eine Rente. Das entspricht einem Anteil von 24 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Dieser Anteil ist im Beobachtungszeitraum 2008-2017 kontinuierlich gesunken. Der Rückgang lässt sich darauf zurückführen, dass die Bevölkerungszahl schneller als die Zahl der Rentner gewachsen ist. Im Jahr 2017 sind 52,9 Prozent der Rentenempfänger Frauen und 47,1 Prozent Männer. Der Rentneranteil unter den Frauen insgesamt ist mit 25,1 Prozent etwas höher als jener unter den Männern (22,9 Prozent).

29,2 Prozent der Südtiroler Rentenempfänger beziehen mehr als eine Rente: Bei den meisten (22,9 Prozentder gesamten Rentner) sind es mehrere unterschiedliche Rentenarten; die restlichen 6,3 Prozent beziehen mehrere Renten der gleichen Art.

Gender Pension Gap bei 32,8 Prozent

Im Jahr 2017 stellen die Frauen 52,9 Prozent der Rentenempfänger, beziehen aber nur 43 Prozent des gesamten Südtiroler Renteneinkommens. Die Männer, die 47,1 Prozent der Rentenempfänger darstellen, beziehen hingegen 57 Prozent des Renteneinkommens.

Die Analyse nach Geschlecht zeigt deutliche Unterschiede bei den durchschnittlichen Renteneinkommen. Im Jahr 2017 lag das durchschnittliche Renteneinkommen eines Mannes bei 22.722 Euro, jenes einer Frau bei 15.275 Euro. Ausgehend von diesen Beträgen ergibt sich ein Gender Pension Gap von 32,8 Prozent. Mit anderen Worten, wenn das Renteneinkommen eines Südtiroler Mannes hundert beträgt, erhält eine Rentnerin durchschnittlich 32,8 Prozent weniger.

Diese Geschlechter-Altersvorsorgelücke ist viel größer als die Lohnlücke (17,2 Prozent im Jahr 2017). Der geschlechtsspezifische Unterschied bei den Renten ist auch darauf zurückzuführen, dass Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn weniger Stunden und/oder Jahre gearbeitet haben, wodurch sie niedrigere Löhne erhalten und weniger Sozialabgaben bezahlen.

Bozner beziehen höchstes Renteneinkommen, Vinschger das niedrigste

Betrachtet man das mediane Renteneinkommen nach Bezirksgemeinschaft, in welcher der Rentenempfänger ansässig ist, so zeigt sich, dass die Höhe des Renteneinkommens nicht gleichmäßig auf das Landesgebiet verteilt ist. Das höchste Renteneinkommen wird mit einem medianen Betrag von 19.573 Euro in Bozen bezogen. Im Vinschgau und SaltenSchlern müssen sich die Rentner mit deutlich geringeren Beträgen zufriedengeben (13.647 Euro bzw.14.076 Euro).

In den restlichen Bezirksgemeinschaften reichen die medianen Renteneinkommen von 15.311 Euro bis 16.203 Euro und sind somit recht ausgeglichen. Auch der Landesmedian (15.805 Euro) befindet sich auf diesem Niveau; die Extremwerte der Verteilung, im Vinschgau einerseits und in Bozen andererseits, heben sich also gegenseitig auf.





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