Montag, 06. März 2017

Retter abgestürzt: „Ich sah mein Leben an mir vorbeiziehen“

Am frühen Sonntagnachmittag tat Andrea Gueresi das, was er am besten konnte: Er klemmte sich an die offene Klappe des Helikopters und seilte Kollegen und Suchhund auf den Lawinenkegel am Monte Nambino. Gueresi ist Windenmann. Doch am Sonntag stürzte sein Rettungshubschrauber ab. Und plötzlich war Gueresi selbst in Lebensgefahr.

Der Hubschrauber stürzte über dem Monte Nambino ab. - Foto: Ufficio stampa Provincia di Trento
Der Hubschrauber stürzte über dem Monte Nambino ab. - Foto: Ufficio stampa Provincia di Trento

Nicht einmal Knochenbrüche. Am Montag nach dem Unglück liegt Gueresi im Spital von Cles. Er hat die Nacht hier verbracht. Gueresi ist angeschlagen, kaputt. An Rücken und Gliedmaßen hat er blaue Flecken. Prellungen, Quetschungen am ganzen Körper – aber offenbar noch nicht einmal einen Knochenbruch.

Andrea Gueresi hat überlebt. Am Sonntag, gegen 13.30 Uhr war der Helikopter des Trientner Zivilschutzes über dem Monte Nambino abgestürzt (STOL hat berichtet). Sein Helikopter. Gueresi war an Bord, als Windenmann wollte er gerade Suchhunde und Retter auf den Lawinenkegel seilen. Dort wurden zwei Wintersportler vermisst. Wenige Sekunden später war Gueresi selbst in Lebensgefahr.

Der Helikopter stürzte rund 20 Meter ab – mittlerweile hat die Flugsicherheitsbehörde ANSV Ermittlungen aufgenommen –, Gueresi wurde unter den Schneemassen begraben. „Ich konnte nicht mehr atmen. In diesen Momenten sah ich mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen“, sagt Gueresi am Tag nach dem Unglück dem Trentiner Blatt „L’Adige“.

Gurt und Seil hielten ihn gefangen

Der Gurt und das Seil, das Gueresi als Windenmann im Notfall retten sollten, wurden ihm nun beinahe zum Verhängnis. „Ich konnte mich nicht bewegen, ich konnte mich nicht befreien. Ich konnte nicht mehr atmen“, erzählt er. „Ich war gefangen. Wahrscheinlich waren es nur zwei, drei Minuten, aber für mich fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Dann endlich hörte ich die Stimmen meiner Kollegen und Freunde. Die Hoffnung kam zurück und ich wusste: Ich komme hier lebend raus.“

Gueresi wurde gerettet, genauso Matteo Zucco – der Arzt an Bord des Rettungshubschraubers soll sich Frakturen an den Gliedmaßen zugezogen haben. Die beiden vermissten Wintersportler haben ebenso überlebt. Für Gueresi grenzt all das an ein Wunder. „Meine Kollegen“, sagte er dem „L’Adige“, „haben Außergewöhnliches geleistet.“

stol

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