Markus Mitterrutzner verkörpert wie kaum ein anderer Eisacktaler das Rettungswesen und das Engagement für das Weiße Kreuz. Der 47-jährige Klausner Rettungssanitäter, seit 22 Jahren auch bei der Feuerwehr Klausen und seit 10 Jahren deren Kommandant, gehört seit Mitte der 1990er Jahre zur stetig wachsenden Familie des Weißen Kreuzes Klausen. Seit 2010 ist Mitterrutzner Dienststellenleiter. Im Blick auf die Geschichte des Weißen Kreuzes gehört Mitterrutzner sozusagen zum Inventar. Am Samstag feiert die Ortsstelle Klausen des Weißen Kreuzes mit einem Fest ihr 30-jähriges Bestehen. Grund genug, bei Mitterrutzner nachzufragen, wie alles begann.<BR /><BR /><b>Im April 1994 wurde in Klausen eine Sektion des Weißen Kreuzes gegründet. Wie kam es dazu? </b><BR />Markus Mitterrutzner: Die Initiative ging von Heinrich Wiedenhofer, Dienstleiter der Sektion Brixen, aus. Man hatte erkannt, dass es im Unteren Eisacktal das ganze Jahr über viele Einsätze gibt, eine eigene Sektion Sinne mache. Begonnen haben wir damals ganz einfach in einem Keller nahe der Brennerstaatsstraße. 1996 übersiedelten wir dann in das Gamper-Areal. Ab diesem Zeitpunkt belang es bereits, einen 24-Stunden-Dienst abzudecken. Unsere Mannschaft bestand zu dieser Zeit aus rund 25 Leuten. Sehr schnell erkannte man den strategisch guten Standort, man denke an die Nähe zur Autobahn, die schnelle Erreichbarkeit der umliegenden Gemeinden. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine Ortsstelle in Waidbruck, und in einer recht emotionalen Abstimmung sprach sich dann die Mehrheit der Mitarbeiter für den Standort Klausen aus.<BR /><BR /><b>Auch im Rettungswesen ist die Zeit nicht stehengeblieben. Was hat sich verändert? </b><BR />Mitterrutzner: Vieles – insgesamt ist die Arbeit professioneller geworden, die Einsätze laufen koordiniert über die Landesnotrufzentrale ab; geändert hat sich natürlich auch die Ausrüstung – früher war in einem Rettungswagen nicht viel mehr als eine Liege, Verbandszeug und Sauerstoff drinnen. Heute sind unsere 5 Fahrzeuge hochmodern – innen und außen. Anfang der 2000er Jahre übersiedelte die Sektion in den Gesundheitssprengel, dort hatten wir 2 Zimmer und einen Gemeinschaftsraum samt kleiner Küche. Damals war Walter Gasser Dienstleiter, später dann Florian Griessmair. Sie und der damalige Ausschuss waren es, die sich bei der Gemeinde Klausen für einen eigenen Sektionssitz einsetzten. Vor 14 Jahren zogen wir in unser neues Sektionsgebäude an der Brennerstaatsstraße. <BR /><BR /><b>Das Rückgrat der Sektion sind aber die Menschen.. </b><BR />Mitterrutzner: Stimmt, die Sektion umfasst heute 150 Mitarbeiter, wir sind eine tollen Truppe, es sind viele junge Leute dabei, aber auch tatkräftige Senioren. Genau diese Zusammenarbeit zwischen den Generationen ist eine echte Bereicherung für alle. Darüber hinaus gehören zu unserer Sektion 2 Erst-Helfer-Gruppen (First Responder) in Villnöß und seit Kurzem haben wir eine Motorradstaffel mit 2 Fahrzeugen an der Autobahneinfahrt Klausen stationiert. <BR /><BR /><b>Gestiegen sind aber auch die Anforderungen an euch ... </b><BR />Mitterrutzner: Ja, wir stoßen mitunter auch an unsere Grenzen, gerade im Sommer ist viel los. Wir versorgen 7 Gemeinden mit rund 16.000 Einwohnern. In der Hochsaison verdoppelt sich allein durch den Tourismus und den Durchzugsverkehr diese Zahl. Wir haben im Jahr rund 1400 Rettungseinsätze, im Durchschnitt 4 bis 5 am Tag – Tendenz steigend. In den Anfangsjahren waren es einige wenige 100 über das Jahr verteilt. <BR /><BR /><b>Fast 30 Jahre Rettungsdienst – da sieht und erlebt man einiges.</b><BR />Mitterrutzner: Ja. Hängen bleiben natürlich die schweren Unfälle. Noch gut erinnern kann ich mich etwa an einen Unfall auf der Autobahn, bei der eine 4-köpfige Familie aus Rom ums Leben kam. Oder als ein 16-jähriges Mädchen auf dem Weg zum Gardasee tödlich verunglückte. Was hilft, ist dass man die Menschen oft gar nicht kennt. Und: Ein Stück weit muss man auch der Typ für diesen Job sein. Heute macht mich nicht mehr so schnell etwas nervös. <BR /><BR /><b>Wie schalten Sie dann ab? </b><BR />Mitterrutzner: Im Team hat jeder von uns jederzeit die Möglichkeit das Erlebten unter professioneller Begleitung zu besprechen. Ich persönlich finde meinen Ausgleich im Sport, bei der Feuerwehr und nicht zuletzt bei meiner Familie.