Die Evakuierung wurde am Dienstagnachmittag in einer Dringlichkeitssitzung beschlossen. Experten bzw. Vertreter von Land und Gemeinde Ratschings nahmen daran teil. Das Gutachten für eine Evakuierung wurde vom Amt für Geologie ausgestellt und der Gemeinde übermittelt. <BR /><BR />Das Schreiben liegt Bürgermeister Sebastian Helfer vor. Helfer wiederum stellte eine Verordnung aus, die am heutigen Mittwoch von einem Gemeindebeamten der Frau, die den Hof bewohnt, zugestellt worden ist. <h3> Frau hat schon länger auswärts geschlafen</h3>„Ich habe mit der Besitzerin vorab gesprochen und ihr die Sachlage erklärt“, so der Bürgermeister. Bei dem bewohnten Gebäude handelt es sich laut Helfer um einen Paarhof (Wohnung und Stall in einem Gebäude), auf dem die Eigentümerin Kleintiere hält. Sie hatte den kleinen Hof vor rund 15 Jahren gekauft, so Helfer. Laut dem Bürgermeister habe die Besitzerin bereits in der vergangenen Woche auswärts geschlafen – zu einschüchternd sei das Donnern der herabstürzenden Felsbrocken gewesen. Derzeit sei man als Gemeinde dabei, für die Frau in der Fraktion Ridnaun eine Unterkunft zu suchen.<BR /> <BR />Auf die Frage, wie es nun seiner Einschätzung nach weitergeht, antwortet Bürgermeister Helfer: „Mein Eindruck ist, dass die beiden Gebäude – das zweite ist ja unbewohnt – bis zum Spätherbst nicht bewohnbar sein können. Einer möglichen Rückkehr muss aber wieder ein Gutachten vorausgehen.“ Kurzfristig deutet nichts in diese Richtung.<BR /> <BR />„Langfristig zeichnen sich 2 Szenarien ab: Entweder kann das Gebäude wieder bewohnt werden, oder – laut Landesgesetz für Raum und Landschaft – die Kubatur des Hofs kann verlegt werden“, sagt Helfer. Als Gemeinde habe man erste Informationen eingeholt: Eine Entschädigung sei derzeit dann vorgesehen, wenn Unwetter das Haus beschädigt hätten. Bei einer reinen Aussiedlung sei die Sachlage wiederum anders. Alles in allem eine schwierige Situation für die Betroffenen, betont Bürgermeister Sebastian Helfer.<h3> Was Landesgeologe Volkmar Mair sagt</h3><b>Seit Tagen rumorte es an der Wetterspitze, nun wurde die Evakuierung beschlossen. Warum?</b> <BR /><BR /> <Fett> <div class="img-embed"><embed id="1028985_image" /></div>Volkmar Mair</Fett> (im Bild): Bereits am Freitag sind große Brocken niedergegangen. Ein Lokalaugenschein hat gezeigt, dass die Rinne entlang des Berghanges durch die zahlreichen Rutschungen komplett gefüllt ist. Bei weiteren Steinschlägen würden die großen Blöcke nicht mehr wie bisher in der Rinne bleiben, sondern links und rechts davon abgehen. Das wäre eine zu große Gefahr für die beiden Höfe. <BR /><BR /><b>Warum kommt jetzt so viel Material runter?</b> <BR />Mair: Tiefgrundige Massenbewegungen beobachten wir schon länger. Rutschungen gibt es immer wieder, wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten. Durch die vielen Niederschläge im Herbst ist viel Wasser in die Klüfte des Gesteins eingedrungen. In den folgenden Monaten wechselten sich Frost und Tauwetter ab. Im Frühjahr regnete es dann wieder in großen Mengen. All das hat das Geschehen beeinflusst. <BR /><BR /><b>Wie lange bleiben Evakuierung und Sperrung des Wanderweges aufrecht?</b> <BR />Mair: Vermutlich für einen längeren Zeitraum, eine genaue Zeitangabe ist derzeit nicht möglich. <BR /><BR /><b>Was können die Behörden tun, um die Situation zu entschärfen?</b> <BR />Mair: Fest steht, dass wir keine Möglichkeit haben, die Gefahrenzone durch Sprengungen zu entschärfen. Auch die Errichtung von Schutzbauten ist technisch sehr schwierig. Am heutigen Mittwoch hat es wieder geregnet. Jetzt gilt es, die Situation vor Ort weiter zu beobachten und neu zu bewerten.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />