Montag, 13. April 2020

Riskanter Sonderweg: Tausende kommen trotz Pandemie zusammen

Tausende Nicaraguaner haben die Abstandsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) missachtet und sind zu Ostern in Badeorte gereist oder haben an Festivals teilgenommen.

Mann mit Maske in Managua vor einem Bild von Präsident Ortega.
Mann mit Maske in Managua vor einem Bild von Präsident Ortega. - Foto: © APA (AFP) / INTI OCON
Gut besucht war etwa das „Summer Music Fest 2020“ am Sonntag in einem Badeort nahe der Hauptstadt Managua, wie das regierungsnahe Portal „El19Digital“ berichtete.

Während die Bischöfe in dem katholischen Land wegen der Coronavirus-Pandemie Prozessionen ohne Publikum abhielten und zum Daheimbleiben aufriefen, hatte die linke Regierung von Präsident Daniel Ortega Dutzende Veranstaltungen während der Karwoche organisiert und den Tourismus angekurbelt.

Das kleine Land zwischen Pazifik und Atlantik geht innerhalb Lateinamerikas einen gefährlichen Sonderweg in der Corona-Krise. Weder schließt es Schulen, noch schränkt es das öffentliche Leben wesentlich ein. Begründet wird dies damit, dass es in Nicaragua nur neun Corona-Infizierte und keine lokale Übertragung gebe.

Die Initiative „Observatorio Ciudadano COVID-19 en Nicaragua“ hatte indes am Donnerstag von 184 Betroffenen berichtet. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Nicaragua am Freitag vor, mit seinem Verhalten die Gesundheit und das Leben von Menschen in Gefahr zu bringen.

Präsident Ortega selbst ist seit Beginn der Corona-Krise abgetaucht und hat damit Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst. Zuletzt war er vor rund einem Monat bei einer Videokonferenz mit anderen zentralamerikanischen Präsidenten gesehen worden.

apa

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