Donnerstag, 18. März 2021

Rittner Ärztin: „Würde für mich AstraZeneca nehmen“

Biontech oder AstraZeneca? Die Rittner Hausärztin Dr. Doris Gatterer würde für sich ganz klar den Impfstoff von AstraZeneca wählen. Und sie nennt einen guten Grund. Außer Zweifel steht für die Medizinerin auch, dass der vorläufige Impfstopp für dieses Produkt mehr Schaden anrichtet als verhindert.

„Nun versäumt man wertvolle Zeit“: Die Hausärztin Dr. Doris Gatterer ist nach wie vor von den Vorteilen des Impfstoffs AstraZeneca überzeugt.
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„Nun versäumt man wertvolle Zeit“: Die Hausärztin Dr. Doris Gatterer ist nach wie vor von den Vorteilen des Impfstoffs AstraZeneca überzeugt.
Dr. Doris Gatterer erklärt den Schaden durch den Impfstopp und wundert sich, warum zum Beispiel über das Risiko bei der Pille für Frauen gar nicht diskutiert wird.

Interview: Alexander Zingerle

Frau Dr. Gatterer, wie stufen Sie die derzeitige Verunsicherung rund um den Impfstoff AstraZeneca ein?
Dr. Doris Gatterer: Ich glaube, die kurzfristige Aussetzung ist zwar gerechtfertigt, um die Vorkommnisse aufzuklären, allerdings möchte ich klar für eine schnelle Weiterverimpfung plädieren. Sollte der Impfstopp weitergehen, so führt das unweigerlich zu mehr Toten. Dann haben wir das weit größere Problem. Das lässt sich mit einem kleinen Gedankenspiel klar verdeutlichen.

Was für ein Gedankenspiel?
Dr. Gatterer: In Deutschland wurden unter den 1,6 Millionen Personen, denen die AstraZeneca-Impfung verabreicht worden ist, 7 Fälle von einer Sinusvenen-Thrombose beobachtet. Das ist etwas mehr als erwartet wurde, wenngleich es sich keinesfalls um eine bedenkliche Häufung handelt. Zudem muss man erst prüfen, ob diese Fälle mit der Impfung zusammenhängen. Wenn ja, würde das bedeuten, dass man 4 Fälle riskiert, wenn man eine Million Menschen impft. Das ist eine verschwindende Zahl, wenn man sie mit der Tödlichkeit des Coronavirus vergleicht.

Und zwar?
Dr. Gatterer: Die Infektionssterblichkeit von Covid-19 liegt im Durchschnitt bei über 0,7 Prozent. Das bedeutet: Einer von 140 Infizierten stirbt an den Folgen der Ansteckung. Deshalb beschert uns ein vorübergehender Impfstopp von AstraZeneca leider viel mehr Todesopfer. Wenn wir also die nüchternen Fakten betrachten, so kann man nur für die Impfung plädieren. Grundsätzlich hat sich auch gezeigt, dass die Folgeschäden einer Covid19-Infektion viel schlimmer sein können als etwaige Nebenwirkungen der Impfung. Diese Krankheit verläuft auf sehr unterschiedliche Art und Weise, und die Risiken sind beträchtlich höher. Das kann ich aus meinem Praxis-Alltag klar bestätigen.



Die Bedenken in der Bevölkerung sind nun allerdings groß ...
Dr. Gatterer: Die Bedenken müssen ernst genommen werden, und natürlich muss man Licht in diese Sache bringen, keine Frage. Auch in meiner Praxis steht das Telefon momentan nicht still. Allerdings wird das Thema auch medial jetzt ziemlich hochgekocht. Dabei gilt und galt schon immer: Jedes Symptom und jede Komplikation muss ernst genommen und behandelt werden. Nur versäumt man mit einem Impfstopp wertvolle Zeit, vor allem angesichts der B117-Mutante, die noch ansteckender und wohl um etwa ein Drittel tödlicher ist. Und gerade gegen diese Mutante ist AstraZeneca sehr wirksam.

Sie würden sich also guten Gewissens mit AstraZeneca impfen lassen?
Dr. Gatterer: Ich bin schon geimpft, und zwar mit dem Biontech-Impfstoff. Aber hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich mich für AstraZeneca entschieden, gerade auch wegen der guten Wirksamkeit gegen die britische Mutation.

Inwiefern sind die Thrombosen, die von der Antibabypille herrühren, vergleichbar mit den Thrombosen, die bei Geimpften auftreten könnten?
Dr. Gatterer: Eigentlich ist das gar nicht miteinander vergleichbar. Das Risiko, durch Einnahme der Antibabypille ein Gerinnsel zu entwickeln, ist deutlich höher – allerdings betrifft dieses Gerinnsel dann zumeist die Lungen oder die Beine. Die Sinusvenenthrombose dagegen spielt sich im Gehirn ab. Bei der Pille besteht kein Zweifel, dass sie ein erhöhtes Risiko für ein Gerinnsel darstellt: Von einer Million Frauen, die die Pille nehmen, bekommen etwa 1100 die Thrombose. Trotzdem ist sie unumstritten. Allerdings müssen die Nebenwirkungen den Frauen im Beratungsgespräch auch klar und deutlich gesagt werden. Beim Impfstoff hingegen handelt es sich bisher nur um einen Verdacht, dem nun nachgegangen wird.

Im Grunde hat jedes Medikament seine Nebenwirkungen, die im Beipackzettel aufgeführt sind ...
Dr. Gatterer: So ist es. Wie gesagt, ich bin im Sinne einer maximalen Sicherheit natürlich dafür, dass diesen Vorkommnissen auf den Grund gegangen wird. Aber die bisherigen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, und angesichts der Mutationen sollten wir schauen, mit dem Impfen voranzukommen.

az