Donnerstag, 27. Mai 2021

Rittner Horn: Anklage wegen Rodelunfall erhoben

Geht es nach der Bozner Staatsanwaltschaft, soll der tödliche Rodelunfall am Ritten vom 4. Jänner 2019 ein gerichtliches Nachspiel haben. Für den Präsidenten der Liftgesellschaft Rittner Horn, Siegfried Wolfsgruber, wurde die Einleitung des Hauptverfahrens beantragt – wegen des Verdachts auf Mitwirkung an fahrlässiger Tötung.

War nach dem tragischen Rodelunglück aus Ermittlungsgründen beschlagnahmt: die „schwarzen Piste“ im Skigebiet Rittner Horn.
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War nach dem tragischen Rodelunglück aus Ermittlungsgründen beschlagnahmt: die „schwarzen Piste“ im Skigebiet Rittner Horn. - Foto: © dol
Wie berichtet, hatten infolge des Unfalls die 8-jährige Emily Formisano und ihre Mutter Renata Dyakowska aus Reggio Emilia das Leben verloren. Die 38-Jährige war mit ihrer Tochter auf der Rodel die „schwarze Piste“, die den Skifahrern vorbehalten ist und als solche ausgeschildert war, hinuntergefahren. Im unteren Bereich kam es zu dem fatalen Sturz.

Die kleine Emily starb am Unfallort, ihre Mutter erlag ihren Verletzungen Wochen später im Spital.

Die Piste wurde vorübergehend beschlagnahmt, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Verantwortlichen der Liftgesellschaft und gegen Emilys Vater Ciro Formisano ein. Die Erhebung gegen ihn wurde in der Zwischenzeit zu den Akten gelegt. Als das Unglück geschah, befand er sich mit dem Sohn in der Seilbahn.

Noch vor dem Abschluss der Ermittlungen hatten die Verteidiger von Siegfried Wolfsgruber, Paride D'Abbiero und Andreas Agethle, eigene Erhebungen angestrengt. Dabei waren sie auf ein Fernsehinterview gestoßen, in dem Formisano gesagt habe, dass er die Hinweisschilder bei der Piste gesehen habe.

Auch hat die Verteidigung mehrere Personen gefunden, die von Formisano persönlich gehört haben wollen, er habe seine Frau ausdrücklich gewarnt, dort mit der Rodel hinunterzufahren. Sie hatte sich aber anders entschieden.

Die Vorhaltungen der Staatsanwaltschaft beziehen sich aber auf die Beschaffenheit der Hinweisschilder. Es sei verabsäumt worden, den Pistennutzern alle Angaben, die von den Normen zur Beschilderung vorgesehen sind, zur Verfügung zu stellen – auch sei das Verbot, die Piste „Schwarzsee 2“ mit der Rodel zu befahren, nicht ins Italienische übersetzt gewesen.

Der Pistenverlauf sei nicht angemessen abgesteckt gewesen, auch in Bezug auf den angrenzenden Panorama-Fußweg. Und schließlich beanstandet die Staatsanwaltschaft, dass die Stelle, an der sich der Unfall ereignet hat, nicht entsprechend mit Netzen oder anderen Schutzvorrichtungen abgesichert gewesen sei. Dabei handle es sich um einen Punkt nach einer stark abschüssigen Stelle, wo die Wahrscheinlichkeit, von der Piste abzukommen, groß sei.

All dies habe dazu beigetragen, dass Renata Dyakowska und ihre Tochter Emily mit ihrem Schlitten in einer Kurve aus der Bahn gerieten und gegen die Bäume am Pistenrand geschleudert wurden.

Im Raum steht der Vorwurf der Mitwirkung im Sinne von Art. 113 StGB an fahrlässiger Tötung. Inwieweit die Indizien für die Einleitung eines Hauptverfahrens ausreichen, entscheidet der Vorverhandlungsrichter am 8. September.

rc

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