Sie gilt als Zeugin und war bereits mehrfach zu dem Fall befragt worden.<BR /><BR />Die Frau traf gegen 8.00 Uhr bei der Polizeidirektion ein und verließ diese kurz vor Mittag. Die erneute Befragung erfolgte weniger als einen Monat nach einer rund sechsstündigen Gegenüberstellung mit Di Vita am 20. August. Damals waren der Ehemann und Vater der beiden Opfer und die Lehrerin gleichzeitig von der Staatsanwältin von Larino, Elvira Antonelli, und dem Leiter der Kriminalpolizei von Campobasso, Marco Graziano, befragt worden. Hintergrund waren Widersprüche in ihren Aussagen.<BR /><BR />Auch weitere Personen wurden in den vergangenen Tagen erneut vernommen. Unter anderem wurde am Samstag eine Cousine von Di Vita länger befragt. Am Freitag war bereits seine Cousine Laura Di Vita rund drei Stunden bei den Ermittlern. Bei den Vernehmungen geht es vor allem darum, unterschiedliche Aussagen zu wichtigen Umständen des Falls abzugleichen. Weitere Befragungen sind in den kommenden Tagen geplant.<BR /><BR />Die Ermittlungen betreffen den Tod der 50-jährigen Antonella Di Ielsi und ihrer 15-jährigen Tochter Sara Di Vita. Beide waren nach einem gemeinsamen Essen im Haus der Familie in Pietracatella am 23. Dezember 2025 schwer erkrankt. Zunächst vermuteten Ärzte eine Magen-Darm-Erkrankung oder Lebensmittelvergiftung. Sara starb am 27. Dezember, ihre Mutter am folgenden Morgen.<BR /><BR />Die entscheidende Wende brachte eine toxikologische Untersuchung. Nachdem rund 1500 Substanzen geprüft worden waren, wiesen Spezialisten des Giftinformationszentrums Maugeri in Pavia Rizin im Blut der beiden nach. Die hochgiftige Substanz kann schwere Schäden an inneren Organen verursachen. Bei Gianni Di Vita wurden dagegen keine Spuren von Rizin festgestellt. Untersuchungen am Robert Koch-Institut in Berlin ergaben zudem keine Hinweise auf eine frühere Exposition gegenüber der Substanz.<BR /><BR />Der Befund war auch deshalb von Bedeutung, weil Di Vita angegeben hatte, in denselben Tagen wie seine Frau und seine Tochter unter Magen-Darm-Beschwerden gelitten zu haben. Hinweise auf eine Rizin-Vergiftung fanden sich jedoch ausschließlich bei Antonella und Sara.<BR /><BR />Nach dem Nachweis des Giftes änderte sich die Richtung der Ermittlungen grundlegend. Aus dem zunächst vermuteten Fall einer Lebensmittelvergiftung wurde eine Untersuchung wegen des Verdachts eines vorsätzlichen Doppelmordes. Die Ermittler versuchen unter anderem zu klären, wie das Rizin in das Haus gelangte und warum ausschließlich Mutter und Tochter die tödliche Substanz aufnahmen.<BR /><BR />Dazu wurden zahlreiche Personen befragt sowie Mahlzeiten, Lebensmittel, Kontakte und Bewegungen der Familie in den Tagen vor Weihnachten rekonstruiert. Auch elektronische Geräte wurden sichergestellt und ausgewertet. Wer das Rizin in das Haus brachte und warum es von Antonella und Sara aufgenommen wurde, ist weiterhin ungeklärt.