Noch liegt der offizielle Bericht der Experten des Robert Koch-Instituts in Berlin allerdings nicht vor. Doch die Ermittler in Campobasso erhöhen den Druck: Immer neue Zeugen werden vernommen, alte Aussagen überprüft und digitale Spuren ausgewertet.<BR /><BR />Sara Di Vita, 15, und ihre Mutter Antonella Di Ielsi, 50, waren Ende Dezember vergangenen Jahres nach einer Vergiftung mit Rizin gestorben. <BR />Die Obduktionen bestätigten später, dass die beiden Frauen an einer Rizinvergiftung starben. Seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft Larino wegen des Verdachts auf vorsätzlichen Doppelmord - bislang gegen Unbekannt.<h3> Mehrere Menschen im engeren Umfeld der Familie verdächtigt</h3>Nun konzentrieren sich die Ermittler auf die Frage, wie das Gift in den Körper der beiden Frauen gelangte. Im Mittelpunkt stehen dabei Lebensmittel und andere Gegenstände aus dem Haushalt der Familie. <BR />Insgesamt wurden zahlreiche Proben und Spuren gesichert; allein bei einer umfangreichen Untersuchung im Juli waren 131 Gegenstände beschlagnahmt worden.<BR /><BR />Parallel zu den Laboruntersuchungen zieht die Polizei das Netz der Befragungen enger. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Menschen aus dem Umfeld der Familie erneut vernommen - darunter zwei Cousinen von Gianni Di Vita sowie eine enge Freundin. Auch ein mit der Familie befreundeter Krankenpfleger, der Sara und Antonella während ihrer Erkrankung zu Hause eine Infusion verabreicht hatte, wurde erneut befragt. Am Tag darauf wurde auch dessen Ehefrau vernommen. Die Ermittler interessieren sich dabei nicht nur für den Ablauf der dramatischen Weihnachtstage. Sie versuchen auch, die Beziehungen innerhalb des familiären und privaten Umfelds genauer zu rekonstruieren.<h3> Enge Freundin im Fokus der Ermittler</h3>Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Gianni Di Vita, dem Ehemann und Vater der beiden Verstorbenen. Die Ermittler führen neue Untersuchungen zu seinem Umfeld und seinen Aussagen durch. Laut Ermittlern konzentriert sich eine der derzeit verfolgten Spuren auf persönliche Beziehungen und mögliche Motive aus dem privaten beziehungsweise sentimentalen Umfeld.<BR /><BR />In dem Verfahren gibt es neben den fünf Ärzten, gegen die wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt wird, derzeit eine weitere Beschuldigte. Eine enge Freundin Antonellas steht wegen des Verdachts der Begünstigung im Fokus. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob sie den Ermittlern Informationen über Antonellas frühere Äußerungen zu einer möglichen Scheidung von ihrem Ehemann verschwiegen haben könnte.<BR /><BR /> Ein konkreter Tatverdacht wegen des Doppelmordes gegen eine bestimmte Person besteht damit weiterhin nicht. Die Verteidigung von Gianni Di Vita warnt davor, die Ermittlungen vorschnell auf eine einzige Erklärung festzulegen. Sein Anwalt Vittorino Facciolla betont, auch ein Unfall müsse geprüft werden. Er verweist darauf, dass es in früheren dokumentierten Fällen von Rizinvergiftungen auch zu unbeabsichtigten Vergiftungen gekommen sei.