<h3> Was geschah im Polizeipräsidium?</h3>Beide waren am späten Vormittag in das Polizeipräsidium in Campobasso vorgeladen worden, um im Rahmen der Ermittlungen im rätselhaften Fall von Pietracatella erneut befragt zu werden. Während eines Teils der insgesamt rund sechs Stunden wurden Gianni Di Vita und die befreundete Lehrerin, die bereits mehrfach in der Vergangenheit und auch in den vergangenen Tagen befragt worden war, gegenübergestellt.<BR /><BR />Nach dem italienischen Strafgesetzbuch kann eine Gegenüberstellung von Zeugen nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden. Es muss widersprüchliche Aussagen über Tatsachen und Umstände gegeben haben, die für die Ermittlungen von Bedeutung sind.<BR /><BR />Sehr wahrscheinlich sind daher unterschiedliche Darstellungen zu bestimmten Sachverhalten aufgetaucht, weshalb es notwendig wurde, die früheren Aussagen der beiden Zeugen miteinander zu vergleichen. Die gesamte Gegenüberstellung fand im Beisein der Staatsanwältin Elvira Antonelli und des Leiters der Mobilen Einsatzgruppe Marco Graziano statt.<BR /><BR />Als Di Vita das Polizeipräsidium gegen 17 Uhr verließ, äußerte er sich nur kurz. Zu den wartenden Journalisten sagte er lediglich: „Auf viele dieser Fragen können Sie sich selbst Antworten geben.“<BR /><h3> Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen</h3>Unterdessen wurden in diesen Stunden auch weitere Zeugen vernommen – einen Tag nach einer weiteren wichtigen Neuigkeit: Aus Berlin sind die ersten Ergebnisse der Blutuntersuchungen eingetroffen, die bei Gianni Di Vita und Saras Schwester Alice durchgeführt worden waren. Die Blutproben waren am vergangenen 1. Juli entnommen worden.<BR /><BR />Nach Angaben der deutschen Experten des Robert Koch-Instituts, die die Ergebnisse den Ermittlern mitgeteilt haben, seien in den Proben bislang keine Hinweise auf eine Exposition gegenüber Rizin festgestellt worden.<BR /><BR />Nun wird der Abschlussbericht erwartet, der Antworten auf sämtliche von der Staatsanwaltschaft gestellten Fragen geben soll. Klar ist jedoch, dass dieses erste Ergebnis einen Punkt klärt, der für die Ermittler von Bedeutung sein könnte.<h3> Die Staatsanwältin rief zur Vorsicht auf</h3>„Derzeit liegt noch keine schriftliche Mitteilung über eine Antikörper-Positivität vor“, erklärte sie. „Die Untersuchung ist besonders anspruchsvoll, und es werden zwei Antworten erwartet. Die Ermittlungen gehen weiter, wobei Informationen von Personen eingeholt werden, die über die Vorgänge Bescheid wissen. Derzeit gibt es keine Beschuldigten.“<BR /><BR />Zahlreiche Untersuchungen laufen weiterhin und befinden sich in den Händen der Gutachter: In Deutschland werden Lebensmittel und Beweismittel untersucht, die im vergangenen Dezember und Januar im Haus in Pietracatella beschlagnahmt wurden sowie anschließend bei der Ortsbesichtigung am vergangenen 30. Juli.<BR /><BR />Darüber hinaus werden die Ergebnisse der IT-forensischen Untersuchungen erwartet. Dabei geht es um die Daten auf Computern, Tablets, Mobiltelefonen und Modems, die im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt wurden und den Opfern sowie ihren Angehörigen gehörten.<h3> Die Ermittlungen auf zwei Ebenen</h3>Im Fall von Pietracatella läuft in Larino ein Ermittlungsverfahren mit zwei unterschiedlichen Ermittlungslinien.<BR /><BR />Die erste betrifft den Verdacht auf fahrlässige Tötung. In diesem Verfahren wird gegen fünf Ärzte ermittelt, die Sara und Antonella in den Stunden vor ihrem Tod behandelt hatten.<BR /><BR />Die zweite Ermittlungslinie betrifft den Verdacht auf vorsätzlichen Doppelmord und richtet sich weiterhin gegen unbekannt.