Am Dienstag durchsuchten Ermittler rund fünf Stunden lang das Landwirtschaftsinstitut in der Gemeinde. Rund 70 Computer wurden kontrolliert. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich auf den Geräten digitale Spuren finden lassen, die mit dem mutmaßlichen Giftmord in Verbindung stehen könnten. An der Schule arbeitet als Labortechniker der Ehemann einer engen Freundin von Gianni Di Vita, dem Vater und Ehemann der beiden getöteten Frauen.<BR /><BR />Die Durchsuchung ist Teil einer umfangreichen Ermittlungsserie, die seit März läuft. Bis Freitag sollen drei weitere Schulen durchsucht werden. Betroffen sind ein naturwissenschaftliches Gymnasium in Riccia, das Liceo classico in Campobasso, das Sara und ihre ältere Schwester Alice bis zum vergangenen Schuljahr besuchten, sowie ein sozialwissenschaftliches Gymnasium in Casacalenda. Dort unterrichtet eine Cousine von Gianni Di Vita. <BR /><BR />Die vier Durchsuchungen stehen offenbar im Zusammenhang mit unterschiedlichen Ermittlungsansätzen. Die Ermittler suchen nach Hinweisen, die helfen könnten, die Herkunft des Giftes und mögliche Verbindungen zwischen den beteiligten Personen aufzuklären. Die Ermittler wollen herausfinden, wer nach dem Gift gesucht hat, von welchen Geräten aus die Recherchen erfolgten und ob sich daraus Verbindungen zu den Verdächtigen ergeben. Die digitalen Spuren könnten entscheidend sein, um aus zahlreichen Hinweisen ein schlüssiges Bild der Tat zu gewinnen.<BR /><BR />Eine der zentralen Fragen lautet inzwischen, ob Antonella und Sara möglicherweise versehentlich zu Opfern wurden. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Gianni Di Vita, ehemaliger Bürgermeister des kleinen Ortes Pietracatella, das eigentliche Ziel gewesen sein könnte.<BR />Die beiden Frauen waren nach Weihnachten gestorben, nachdem sie Rizin eingenommen hatten. Wie das Gift in ihren Körper gelangte, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Denkbar wäre nach den bislang diskutierten Szenarien eine Verabreichung über ein Lebensmittel oder über Wasser. Zwei Trinkflaschen werden von Spezialisten des Robert Koch-Instituts in Berlin untersucht, das über besondere Expertise bei der Bekämpfung biologischer Gefahren verfügt. <BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft unter Leitung von Elvira Antonelli hat inzwischen mehr als 200 Personen vernommen. Das Verfahren wird wegen des Verdachts auf vorsätzlichen, geplanten Doppelmord gegen Unbekannt geführt. Eine abschließende Bewertung der möglichen Tatmotive gibt es bislang nicht. Di Vitas Anwalt Vittorino Facciolla weist die Vorstellung zurück, sein Mandant könne in die Tat verwickelt sein. Er bezeichnet ihn ebenso wie die ältere Tochter Alice als Geschädigten des Geschehens.