Freitag, 06. März 2020

Koch-Institut nennt Südtirol Risikogebiet

Das deutsche Robert-Koch-Institut stuft Südtirol wegen des Coronavirus SARS-CoV-2 seit Donnerstagabend als Risikogebiet ein. Ursache dafür dürften wohl die deutschen Südtirol-Urlauber sein, die nach ihrer Rückkehr positiv auf das Virus getestet worden waren. Beweise, dass sich die Touristen wirklich hier angesteckt haben, gibt es allerdings nicht. Die Ansteckungskette ist, wie so oft bei SARS-CoV-2, unklar.

Südtirol ein Risikogebiet? Laut dem deutschen Robert-Koch-Institut schon.
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Südtirol ein Risikogebiet? Laut dem deutschen Robert-Koch-Institut schon. - Foto: © shutterstock
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des deutschen Bundesministeriums für Gesundheit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung.



Südtirol wird in einem Zug mit der sehr stark betroffenen Ortschaft Vo genannt

Nun hat das Institut Südtirol als Risikozone eingestuft. Laut Robert-Koch-Institut sind Risikogebiete jene Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch („ongoing community transmission“) vermutet werden kann. Um dies festzulegen, verwendet das Robert Koch-Institut verschiedene Indikatoren (u.a. Erkrankungshäufigkeit, Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen, Maßnahmen (z.B. Quarantäne ganzer Städte oder Gebiete), Exportierte Fälle in andere Länder/Regionen). Die Situation wird jeden Tag neu bewertet, bei Bedarf werden die Risikogebiete angepasst.

Seit Donnerstagabend wird neben den Ländern China, Iran, Südkorea und den italienischen Regionen Emilia Romagna, Lombardei, der Stadt Vo in Venezien auch Südtirol gelistet. Südtirol scheint sogar auf Position 1 der Risikogebiete in Italien auf.



Diese Neueinstufung hängt wohl mit den Fällen von deutschen Touristen zusammen, welche nach einem Südtirolaufenthalt zurück in ihrer Heimat positiv auf das neuartige Virus getestet worden waren. (STOL hat berichtet)

Bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag in Berlin erklärt RKI-Präsident Lothar H. Wieler, die Gründe für die Einstufung.


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Ob sich die deutschen Touristen wirklich in Südtirol angesteckt haben, oder bereits mit dem Virus infiziert waren, ist schwer nachzuvollziehen. Das Virus hat eine relativ lange Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen, in einigen Fällen sogar bis zu 27 Tagen.

Am gestrigen Donnerstagnachmittag teilte die Pressesprecherin des Instituts, Susanne Glasmacher, gegenüber der Stuttgarter Zeitung noch mit: „Südtirol wird weiterhin nicht als Risikogebiet eingestuft. Das RKI, eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten mit Sitz in Berlin, könne „generell keine Einschätzungen zu einzelnen Regionen geben“. Für Reisehinweise sei zudem das Auswärtige Amt zuständig. „Natürlich haben wir aber alles im Blick. Wenn es ein neues Risikogebiet gibt, veröffentlichen wir das sofort“, so Glasmacher weiter.

Um 21 Uhr dann wurde Südtirol plötzlich doch zum Risikogebiet erklärt.






vs

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