Donnerstag, 09. Januar 2020

Rom erwägt hohe Strafe für Autobahnbetreiber ASPI

Die italienische Regierung erwägt eine hohe Strafe für den Autobahnbetreiber „Autostrade per l Italia“ (ASPI) als alternative Maßnahme zu einem möglichen Konzessionsentzug.

Der Autobahnbetreiber steht seit dem Einsturz der Morandibrücke in Genua unter Kritik.
Der Autobahnbetreiber steht seit dem Einsturz der Morandibrücke in Genua unter Kritik. - Foto: © ANSA / Polizia di Stato

Der Autobahngesellschaft wird schwere Nachlässigkeit bei der Instandhaltung des Autobahnnetzes vorgeworfen, seitdem im August 2018 die Morandi-Brücke in Genua einstürzte und 43 Menschenleben forderte.

Die von der italienischen Regierung verhängte Strafe könnte circa 4 Milliarden Euro betragen. Die Autobahngesellschaft könnte außerdem gezwungen werden, die Autobahnmaut um 5 Prozent zu reduzieren, verlautete es in Rom.

Gerüchte über die Möglichkeit, dass der drohende Konzessionsentzug abgewendet werden könnte, beflügelten am Mittwoch die Aktie der ASPI-Mutter, der Infrastrukturholding Atlantia, an der Mailänder Börse.

Während die stärkste italienische Regierungspartei Fünf Sterne auf den Entzug der noch 18 Jahre laufenden Konzession pocht, machen die sozialdemokratischen Koalitionspartner Druck, damit ASPI lediglich eine hohe Geldstrafe für ihre Mängel bei der Instandhaltung des 3500 Kilometer langen Autobahnnetzes zahle.

Eine Entscheidung wird die Regierung um Premier Giuseppe Conte in den nächsten Tagen treffen.

Indes will der Autobahnbetreiber seinen neuen Unternehmensplan bis 2023 vorstellen und damit einen klaren Kurswechsel signalisieren.
Der Entwicklungsplan setzt auf technologische Innovation, Nachhaltigkeit und Sicherheitskontrollen. Bis Ende 2020 soll die Stabilität von circa 2000 Viadukten auf dem italienischen Autobahnnetz kontrolliert werden.

Atlantia-Chef Roberto Tomasi hatte am vergangenen Samstag vor der Pleite der Holding gewarnt, sollte der Autobahntochter die Lizenz entzogen werden. „Im Fall eines Konzessionsentzugs droht uns der Bankrott, da wir offene Kreditlinien in der Größenordnung von 10,5 Mrd. Euro haben. Die Pleite hätte gravierende Folgen auch für zehntausende Anleger, sowie für unsere 7000 Mitarbeiter und das Personal der Zulieferindustrie“, so Tomasi, der seit Februar 2019 Atlantia führt. Atlantia wolle laut dem Entwicklungsplan bis 2023, der in den nächsten Tagen vorgestellt werden soll, 13 Mrd. Euro für das Autobahnnetz investieren, sagte der CEO.

Vergangene Woche waren nahe der Hafenstadt Genua Teile des oberen Gewölbes eines Autobahntunnels zusammengebrochen, der ebenfalls zum Betreibernetz von „Autostrade per l'Italia“ gehört. Die Regierung forderte das Unternehmen auf, die Untersuchung seines Autobahnnetzes zu beschleunigen und alle 10 Tage darüber Bericht zu erstatten. ASPI gehört zu 88 Prozent Atlantia, 12 Prozent der Anteile liegen in den Händen des deutschen Versicherers Allianz.

apa