Freitag, 02. Oktober 2015

Rom will Kreuzfahrtschiffe von Venedig nach Triest verlegen

Zur Entlastung Venedigs vom Massentourismus hat sich Italiens Kulturminister Dario Franceschini für die Einrichtung eines Hubs für Kreuzfahrtschiffe in Triest ausgesprochen. „Ich frage mich, ob Venedig diese Kreuzfahrtschiffe braucht, ob dies das Entwicklungsmodell ist, auf das die Stadt für setzen muss“, sagte der Minister.

Sollen Kreuzfahrtschiffe aus Venedigs Stadtbild verschwinden oder nicht?
Sollen Kreuzfahrtschiffe aus Venedigs Stadtbild verschwinden oder nicht?

„Kreuzfahrtschiffe sollen weiterhin Venedig erreichen, es wäre jedoch sinnvoller, Triest als 'Hub' zu nutzen“, meinte Franceschini.

Er löste damit den Protest des Präsidenten der Region Venetien, Luca Zaia, aus. „Sollte Franceschinis Plan umgesetzt werden, wären Tausende Jobs in der Region gefährdet“, meinte Zaia.

"Triest ist das wahre Tor Europas im Mittelmeerraum“

Grund zum Feiern hätte dagegen die Stadt Triest, die sich mehr Einnahmen durch den Kreuzfahrttourismus erhofft. „Triest und sein Hafen bieten exzellente Bedingungen für große Schiffe. Triest ist das wahre Tor Europas im Mittelmeerraum“, kommentierte der Bürgermeister der Hafenstadt, Roberto Cosolini.

Begrüßt wurden die Worte des Ministers auch von Debora Serracchiani, Präsidentin der an Kärnten grenzenden Region Friaul Julisch Venetien, zu der Triest gehört. „Franceschinis Vorschlag berücksichtigt die Bedürfnisse des Umweltschutzes in Venedig. Zugleich ist Triest bestens in der Lage, einem Wachstum im Bereich Kreuzfahrttourismus Stand zu halten“, so Serracchiani.

"Hier geht es aber um die Rettung von 5.000 Jobs“

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, hatte zuletzt den Kreuzfahrtschiff-Verkehr in der Lagune verteidigt. „Wir sind für Kreuzfahrtschiffe in Venedig. Sie werden zwar nicht mehr vor dem Markusplatz vorbeifahren, sondern über eine andere Route verkehren. Hier geht es aber um die Rettung von 5.000 Jobs“, sagte Brugnaro. Er kritisierte Politiker, Intellektuelle und Künstler, die sich einer Kampagne für den Bann von Kreuzfahrtschiffen in Venedig angeschlossen haben.

Die Bürgerinitiative „No Grandi Navi“ („Keine großen Schiffe“) kämpft seit Jahren für eine Reduktion des Schiffsverkehrs und argumentiert mit dem Wellengang, der die Fundamente der Palazzi beschädigt. Außerdem bringe der Kreuzfahrttourismus nur geringe Einnahmen, da die Reisenden nicht in der Stadt nächtigen.

Die Regierung von Premier Matteo Renzi will den Canale Contorta-Sant'Angelo vom südlichen Laguneneingang Malamocco nach Marghera verlängern. Damit sollen die Kreuzfahrtschiffe den modernen Passagierhafen am westlichen Rand von Venedig erreichen.

apa

stol