Hier die Stellungnahme von Prof. Martin Lintner in Auszügen: „Die <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/nein-aus-rom-p-martin-lintner-wird-nicht-dekan-der-hochschule-in-brixen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Entscheidung der vatikanischen Behörden, meiner Wahl zum Dekan der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen nicht zuzustimmen,</a> hat enorme Reaktionen in Südtirol, im gesamten deutschen Sprachraum und mittlerweile auch in Italien und weit darüber hinaus ausgelöst.“<h3> „Zweifel am Gelingen von Synodalität“</h3>„Der Zuspruch aus unterschiedlichsten Lagern bestätigt mich in meinem Bemühen, als Theologe auch eine Brückenfunktion zwischen Kirche und Gesellschaft wahrzunehmen und eine lebensrelevante und leidsensible Theologie zu betreiben, die für die Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen und Herausforderungen von Bedeutung ist. Die vatikanische Entscheidung gegen mich hat bei vielen Gläubigen nicht nur Unverständnis, sondern auch schwere Irritationen ausgelöst. Sie weckt Zweifel am Gelingen von Synodalität.“<BR /><BR />„Die teils heftigen und emotionalen Reaktionen seitens der theologischen Vereinigungen sind Ausdruck der berechtigten Sorge um die Glaubwürdigkeit der Theologie als Wissenschaft im Kontext der Universitäten sowie der säkularen Gesellschaft. Sie zeigen meiner Meinung nach aber auch deutlich, dass hier Wut und Ohnmacht von sehr vielen Kolleginnen und Kollegen durchbrechen, die im Lauf ihrer akademischen Tätigkeit mit ähnlichen Problemen und Hindernissen konfrontiert worden sind. Diese Probleme sind seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis und bedeuten für die Betroffenen eine Belastung, verbunden mit dem Gefühl von Demütigung, mit emotionalen Verletzungen bis dahin, dass berufliche Karrieren nachhaltig beschädigt wurden. Darunter kann auch die persönliche Identifikation mit der Kirche leiden.“<h3> „Viele solche Schicksale kennengelernt“</h3>„Viele schweigen darüber aus Angst, ihre Reputation als Theologin bzw. als Theologe zu verlieren und unter Verdacht einer mangelnden Kirchlichkeit gestellt zu werden. Als ich Vorsitzender der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie und des Internationalen Netzwerkes von Gesellschaften für Katholische Theologie war, habe ich viele solche Schicksale kennengelernt.“<BR /><BR />„Das hat mir deutlich gemacht, dass es sich hier nicht nur um individuelle Fälle handelt, sondern um ein institutionelles Problem. In formellen und informellen Gesprächen mit Amtsträgern und Mitarbeitern der Glaubenskongregation und der Bildungskongregation habe ich mich zum Sprachrohr für diese Kolleginnen und Kollegen gemacht und diese Probleme thematisiert. Dabei hatte ich den Eindruck, dass seitens der Kongregationen – mittlerweile Dikasterien – ein Problembewusstsein vorhanden ist und dass die Notwendigkeit erkannt wurde, die Procedere zu überarbeiten und Verfahren transparent und fair zu führen.“<h3> „Konstruktives Verhältnis des Vertrauens“</h3>„Ich wünsche mir und hoffe, dass mein Fall dazu beiträgt, ein konstruktives Verhältnis des Vertrauens und des Dialogs zwischen Lehramt und akademischer Theologie, zwischen den Dikasterien und den theologischen Vereinigungen, Fakultäten und Hochschulen aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass dies dem Geist der Synodalität entspricht, auf den Papst Franziskus die Kirche führen möchte.“