Mittwoch, 24. November 2021

Rote-Bank-Aktion: Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Am Montessoriplatz in Bozen macht seit Mittwoch eine rote Sitzbank auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam.

Die rote Bank soll Menschen auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam machen.
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Die rote Bank soll Menschen auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam machen. - Foto: © Stadt Bozen
Am Mittwochvormittag stellten die Mitglieder der städtischen Kommission für Chancengleichheit und des Stadtviertelrats Don Bosco auf dem Montessoriplatz in Firmian die vierte „rote Sitzbank“ der Stadt vor.

Die rote Bank soll Menschen auf das Thema häusliche Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner aufmerksam machen und an die vielen Frauen erinnern, die Opfer von Gewalt geworden sind. An der Rote-Bank-Aktion beteiligten sich neben den Mitgliedern der Kommission für Chancengleichheit auch die Betreiberinnen der Frauenhäuser und des Hauses der geschützten Wohnungen. Gleichstellungsstadträtin Chiara Rabini, die auch den Vorsitz in der Kommission für Chancengleichheit inne hat, hob in ihrer Rede die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bozen und den Frauenschutzvereinen hervor.

„Mit dieser roten Sitzbank,“ so Stadträtin Rabini, „ wollen wir an die vielen Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, und an ihre Angehörigen erinnern. Gleichzeitig soll diese rote Bank aber auch ein Zeichen der Solidarität mit den betroffenen Frauen und Symbol der Hoffnung sein: Hoffnung, dass es Wege aus der Situation heraus gibt. In diesem Sinne ist diese rote Bank auch als ein Appell an Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte zu verstehen: Hören Sie den Frauen zu. Schauen Sie nicht weg. Nehmen Sie die Ängste und Befürchtungen der Frauen ernst. Meist signalisieren Frauen nur indirekt, dass sie Hilfe brauchen. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen aufmerksam zuhören.“

Im Zuge der Rote-Bank-Aktion nannte der Frauenschutzverein Gea einige aktuelle Zahlen:

2021 kontaktierten 128 Frauen erstmals die vom Verein Gea geführte Kontaktstelle gegen Gewalt. 16 Frauen wurden gemeinsam mit ihren 13 Kindern in einer geschützten Unterkunft untergebracht. In 96 Prozent der Fälle ging die zur Anzeige gebrachte Gewalt von einer männlichen Person aus. In 83 Prozent der Fälle war der Gewalttäter der eigene Partner. In einigen Fällen ging die Gewalt von einem anderen Familienmitglied (10 Prozent) bzw. von einem Bekannten (7 Prozent) aus.

Die Frauen, die sich im Jahr 2021 an die Kontaktstelle wandten, waren überwiegend von häuslicher Gewalt (93 Prozent) betroffen. Keine der Frauen erfuhr Gewalt durch einen Fremden. 63 Prozent der Täter waren italienische Staatsangehörige. Die Frauen berichteten von körperlicher, finanzieller und sexueller Gewalt, aber auch von Stalking, von der Veröffentlichung von Nacktaufnahmen im Netz und von angedrohter Zwangsheirat. In fast allen Fällen (92 Prozent) war auch psychische Gewalt mit im Spiel. 57 Prozent der Frauen haben körperliche Gewalt erlebt, 9 Prozent wurden von Stalkern belästigt. 70 Prozent der Frauen haben Kinder, die überwiegend noch minderjährig sind.

Seit dem Jahr 2000 wandten sich 3.159 Frauen an die Kontaktstelle gegen Gewalt. 363 Frauen und 360 Kinder fanden über die Jahre Zuflucht im Frauenhaus. 2020 lebten in Südtirol 106 Frauen und 118 Kinder vorübergehend in einer geschützten Einrichtung.

stol

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