In den USA hat die wissenschaftskritische Administration von Präsident Donald Trump mit dem impfskeptischen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gerade die RSV-Impfung von der Liste der allgemein empfohlenen Immunisierungen gestrichen. Die belgischen Wissenschafter um Bart Lambrecht vom „Vlaams Instituut voor Biotechnologie“ haben ihre gänzlich anders lautenden Forschungsergebnisse vor kurzem in „Science Immunology“ (DOI: 10.1126/sciimmunol.adz4626) veröffentlicht.<BR /><BR />Der Hintergrund, so das Deutsche Ärzteblatt: Die meisten Kinder infizieren sich im Säuglingsalter das erste Mal mit RSV. Etwa zwei bis drei Prozent erkranken dabei auch an einer Entzündung der kleinen Bronchien-Verästelungen (Bronchiolitis). Eine stationäre Aufnahme im Spital, in schweren Fällen sogar eine intensivmedizinische Versorgung, wird oft notwendig. Zumeist kommt es zu vollständigen Genesung.<h3> Bronchiolitis fördert Entstehen von allergischem Asthma</h3>Die Analyse von dänischen Daten hat aber gezeigt, dass Kinder nach einer Bronchiolitis häufiger an Asthma erkranken. Lambrecht und sein Team berechneten für Säuglinge, die wegen einer RSV-Bronchiolitis ins Spital gekommen waren, ein um den Faktor 3,3 erhöhtes Risiko für die chronische Lungenerkrankung. War die Mutter eine Asthmatikerin stieg das Asthma-Risiko von Kindern nach schwerer RSV-Erkrankung um den Faktor 5,4, im Falle einer Asthma-Erkrankung des Vaters um das 4,7-Fache.<BR /><BR />Die belgischen Wissenschafter infizierten zusätzlich Labormäuse in den ersten Lebenswochen mit dem RSV-ähnlichen Mäuse-Pneumonievirus (PVM). Die Tiere entwickelten daraufhin eine allergische Reaktion der Bronchien – vergleichbar mit Asthma. Typisch war die Aktivierung von sogenannten T-Helferzellen vom Typ 2. Sie vermitteln bei Menschen wie Mäusen das Entstehen und die Aufrechterhaltung von Allergien.<BR /><BR />Um ihre Hypothese zu überprüfen, verabreichten die Wissenschafter neugeborenen Mäusen Antikörper, die sowohl gegen PVM der Mäuse als auch gegen RSV wirken. Ebenso bekamen Muttertiere Antikörper, welche die Jungtiere mit der Muttermilch aufnehmen sollten. Das Ergebnis: Auch wenn es sich um Nachkommen von Muttertieren mit quasi-asthmatischer Grunderkrankung und somit einem sehr hohen Risiko für das Entstehen einer solchen Erkrankung bei deren Nachkommen nach PVM-Infektion handelte, konnte diese Komplikation verhindert werden.<h3> Zusätzlicher Schutz wahrscheinlich</h3>„Die Ergebnisse lassen hoffen, dass die RSV-Prophylaxe mit dem (monoklonalen; Anm.) Antikörper Nirsevimab Neugeborene nicht nur vor einer schweren Bronchiolitis, sondern auch vor späteren Asthmaerkrankungen schützt. Auch eine Prophylaxe durch die Impfung von Schwangeren wäre vorstellbar“, schrieb dazu das Deutsche Ärzteblatt. An sich könnte das Gegenstand von zukünftigen epidemiologischen Untersuchungen sein, um diesen Zusatzeffekt der RSV-Prophylaxe zu belegen.<h3> Situation in Südtirol</h3>Noch vor zwei Jahren mussten in Südtirol 190 Säuglinge wegen Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) stationär behandelt werden, viele davon auf der Intensivstation. Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild: Die Zahl der Krankenhausaufenthalte ist drastisch gesunken.<BR /><BR />Die Landesregierung hat im Oktober 2025 beschlossen, die RSV-Präventionskampagne auch in den Jahren 2025/2026 fortzuführen. „Wir schützen mit dieser Maßnahme die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die Neugeborenen“, betonte Gesundheitslandesrat Hubert Messner. „Weniger kranke Babys bedeutet weniger Leid für die Familien und weniger Belastung für die Krankenhäuser. Prävention wirkt und ist wichtig.“<BR /><BR />Seit Herbst 2024 erhalten Neugeborene den monoklonalen Antikörper Nirsevimab. Dabei handle es sich nicht um eine Impfung, sondern um eine einmalige Prophylaxe, die für eine gesamte Wintersaison Schutz biete.<h3> Deutlicher Rückgang schwerer Erkrankungen</h3>Die Wirkung zeige sich klar in den Zahlen: Während im Winter 2023/2024 noch 190 Kinder unter einem Jahr wegen RSV ins Krankenhaus mussten, waren es im vergangenen Winter lediglich 15.<BR /><BR />Auch die Situation auf den Intensivstationen entspannte sich deutlich: Statt 14 Kindern benötigten nur noch zwei eine subintensivmedizinische Betreuung.<BR /><BR /> In Südtirol verringerte sich das Risiko einer Krankenhausaufnahme um 92 Prozent, das einer intensivmedizinischen Behandlung um 86 Prozent. 2024/2025 erhielten rund 75 Prozent aller Kinder unter einem Jahr den RSV-Schutz.<h3> Vorsorgekampagne</h3>Die Kampagne läuft und ist bis 1. März 2026 vorgesehen. Anspruch auf die kostenlose Verabreichung haben alle Kinder, die ab dem 1. April 2025 geboren wurden oder während des Kampagnenzeitraums zur Welt kommen. Auch Kinder bis zum zweiten Lebensjahr mit bestimmten gesundheitlichen Risiken können die Immunisierung erhalten.<BR /><BR />Abgewickelt wird die Maßnahme durch den Südtiroler Sanitätsbetrieb, der zugleich die begleitende Informationskampagne „Ich schau auf dich“ organisiert. Vormerkungen sind telefonisch über die zentrale Nummer 100 100 (mit den Vorwahlen 0471, 0472, 0473 oder 0474) möglich. Die Verabreichung erfolgt in Impfzentren sowie bei Kinderärztinnen und -ärzten freier Wahl.<BR /><BR />Für die Wintersaison 2025/2026 stehen 3.000 Dosen bereit. Das Land investiert dafür 759.000 Euro. Die Teilnahme an der Kampagne ist freiwillig.