Die dritte junge Frau soll hingegen ihrer ursprünglichen Aussage, wonach ihre fünf Kunden sie für volljährig gehalten hätten, widersprochen haben. Um Anklage im Sinne von Artikel 600bis des italienischen Strafgesetzbuches (sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Bezahlung) erheben zu können, muss die Staatsanwaltschaft beweisen, dass die Kunden nicht über die Minderjährigkeit der Mädchen Bescheid wussten. Wie ihre Freundin am Vortrag sagte auch die zweite Marokkanerin gestern beim Beweissicherungsverfahren am Landesgericht aus, dass sie sich als volljährig ausgegeben habe. Die 25-Jährige, bei der sie gewohnt hatten und die ihnen die Kunden gezielt zugeführt habe, habe das von ihnen verlangt. Auch auf Facebook habe sie sich nicht mit ihrem echten Geburtsdatum eingetragen, sondern sich älter gemacht. Inzwischen ist die Marokkanerin volljährig, wirkte aber am Dienstag aufgrund ihrer zarten Konstitution und ihres mädchenhaften Aussehens immer noch sehr jung. Dass dies vor drei Jahren noch deutlicher gewesen sein dürfte, soll u. a. ein Telefonanruf belegen. Darin soll ein Freier die 25-Jährige gefragt haben, ob ihre Kollegin „nicht noch zu jung ist“.Die Marokkanerin war im Sommer 2008 nach Südtirol gekommen, ihre Familie habe jemanden dafür bezahlt, dass sie hergebracht wurde. Damals war sie erst 15 Jahre alt. Sie habe nur ein paar Kunden gehabt.Dann sei sie zur Schule gegangen und habe erst 2009 wieder Männer empfangen. Fast alle ihrer sechs Kunden hätten sie nach ihrem Alter gefragt – was für die Staatsanwaltschaft zumindest auf diesbezügliche Zweifel hindeutet. Ob die Männer ihr geglaubt haben, dass sie schon 18 sei, oder eine mögliche Minderjährigkeit in Kauf genommen haben, bleibt noch zu klären. Die dritte Marokkanerin hatte in ihrer ersten Aussage gegenüber Staatsanwältin Donatella Marchesini noch erklärt, ihre Kunden hätten sie für volljährig gehalten. Am Dienstag soll sie dies unter Tränen revidiert und gesagt haben, einige der Männer hätten schon gewusst, dass sie erst 17 sei.