Donnerstag, 18. April 2019

Rund 90 Prozent der Kunstwerke in Notre Dame gerettet

Rund 90 Prozent der Kunstwerke und Reliquien in Notre-Dame sind nach Angaben eines Versicherungsexperten bei dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale rechtzeitig vor den Flammen gerettet worden. Der Evakuierungsplan sei minuziös befolgt worden, sagte der Schadensachverständige Michel Honore, der den Domschatz im Auftrag der Versicherer begutachtet, am Mittwochabend.

Noch ist unklar wie lange der Wiederaufbau dauern wird. - Foto: APA (AFP)
Noch ist unklar wie lange der Wiederaufbau dauern wird. - Foto: APA (AFP)

„Der Plan selbst hat perfekt funktioniert, und deshalb sind die Verluste nicht so groß, wie man hätte befürchten können”, sagte Honore in einem Telefongespräch nach einem Treffen mit weiteren Sachverständigen nahe der weltberühmten Kirche, die am Montag in Band geraten war. Er ist für die Begutachtung des Domschatzes (”Tresor”) zuständig. Der Kirchenschatz besteht aus 1000 bis 1200 Gegenständen von wertvollen Kelchen über historische Kirchengewänder bis hin zu großformatigen Gemälden. Hilfskräfte hatten das Inventar mit einer Menschenkette vor dem Flammen in Sicherheit gebracht.

Dornenkrone und Nagel vom Kreuz wurden als erstes gerettet

„Zu den ersten Stücken, die gerettet wurden, gehörten die Dornenkrone und der Nagel vom Kreuz”, sagte Honore. „Sie standen ganz oben auf der Liste und wurden vorschriftsgemäß vorrangig herausgebracht.” Die meisten großen Gemälde in der Kathedrale sähen unversehrt aus. Restauratoren müssten sie aber nochmals genau begutachten, um zu sehen, ob Ruß, Rauch oder Löschwasser sie nicht doch in Mitleidenschaft gezogen hätten. „Es herrscht große Zuversicht, dass die große Orgel in der Kathedrale nicht beschädigt ist, aber man muss auch hier genau nach Säure-Rückständen schauen”, sagte Honore.

Jene Wertgegenstände, die in der Brandnacht in Notre Dame zurückgelassen werden mussten, würden derzeit unter die Lupe genommen. Sie sollen Honore zufolge ins Louvre-Museum gebracht werden. Die geretteten Schätze wurden zunächst ins Rathaus gebracht, sollen aber ebenfalls höchstwahrscheinlich im Louvre landen. Dort könnten sie sicherer aufbewahrt werden.

Restaurierungsfirmen sind versichert

Notre Dame gehört seit 1905 dem französischen Staat. Er dürfte daher beim Wiederaufbau den Großteil der finanziellen Last tragen. Der zur französischen AXA gehörende Kunst-Spezialist Axa ART und ein weiterer Versicherer seien aber an der Versicherung der Kunstwerke in der Kathedrale beteiligt, sagte Honore. Nach früheren Angaben sind auch 2 der Firmen, die Teile von Notre-Dame renoviert haben, bei Axa versichert.

apa/ag.

stol