Die Gewerkschaften sind erbost: „So brauchen wir uns gar nicht an den Verhandlungstisch setzen“, sagt Cristina Masera (CGIL).<BR /><BR />Doch der Reihe nach: Das Land belohnt schon jetzt Arbeitgeber, die mit Zusatzverträgen oder Betriebsabkommen höhere Löhne an ihre Mitarbeiter zahlen. Für sie sinkt die regionale Wertschöpfungssteuer IRAP von 3,9 auf 2,68 Prozent. Dem Land kostet dies 50 Mio. Euro an Mindereinnahmen im Jahr. 2027 will das Land einen Schritt weiter gehen und stellt zusätzliche 20 Mio. Euro an Steuersenkung in Aussicht – immer gekoppelt an mehr Lohn, mehr Familienfreundlichkeit, Nachhaltigkeit.<h3> Klare Ansage von der Wirtschaft</h3>Beim ersten Treffen mit den Sozialpartnern kam dazu von der Wirtschaft eine klare Ansage: „Wir sind geschlossen aufgetreten und fordern mit einer Stimme eine IRAP-Senkung ohne neue Bedingungen“, so SWR-Chef Brunner. Und zwar auf Trentiner Niveau, wo alle Betriebe nur 2,68 Prozent IRAP berappen, jene, die mehr Lohn zahlen, gar nur zwei Prozent. Man diskutiere gern an eigenen Tischen über Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit. Man sei aber „strikt gegen die Verknüpfung einer Steuersenkung mit weiteren Bedingungen“. Es gehe um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. „Bei einem Landeshaushalt von elf Mrd. Euro kann sich das Land dieses Signal an die Wirtschaft erlauben.“ Kleine Unternehmen könnten sich die bürokratisch enorm aufwändige Zertifizierung von Familienfreundlichkeit des Landes nicht leisten. „Ein Audit, das zudem außerhalb von Südtirol keine Gültigkeit hat“, so Brunner.<BR /><BR />Die Gewerkschaften sind erbost. „Es kann nicht sein, dass man den Betrieben die Steuern senkt, ohne dass die Mitarbeiter etwas davon haben“, so Klaus Schier (ASGB). Bis Herbst sollten sich die Sozialpartner auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen. „So brauchen wir uns aber gar nicht an einen Tisch setzen“, sagt Cristina Masera (CGIL/AGB): „Es geht um Steuergeld, das der Allgemeinheit zusteht. Das Land könnte die vollen 3,9 Prozent kassieren und sie in Straßen, Schulen, Spitäler investieren, sagt aber zu Recht, es verzichtet auf einen schönen Anteil an Steuern, wenn auch Mitarbeiter davon profitieren.“ Lande das Geld nun einfach in den Kassen der Betriebe, so wäre dies „zutiefst ungerecht.“ <h3> „Nicht alles auf IRAP konzentrieren“</h3>Arno Kompatscher nimmt das Vorpreschen der Wirtschaft „zur Kenntnis“. Auch die Trentiner hätten an Skonti bei der IRAP aber Bedingungen geknüpft. „Unsere bleiben höhere Löhne“, so Kompatscher. Dazu habe er bei der ersten Runde mit den Sozialpartnern auch konkrete Vorgaben genannt. So müssen Abkommen, die zu Steuernachlässen berechtigen, in Zukunft die Mehrheit der Mitarbeiter betreffen, nicht einige wenige. Prämien müssen eine klare Inzidenz aufs Jahresgehalt aufweisen. „Im Dezember zehn Euro auszahlen geht nicht“, so Kompatscher. Er nehme vom Treffen aber die Anregung mit, Maßnahmen zugunsten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht bürokratisch zu überladen. Freilich sollten diese aber messbar sein.<BR />Von den Gewerkschaften kommt der Vorschlag, nicht alles auf die IRAP zu konzentrieren. Kleineren Betrieben käme es zugute, wenn man sie für vorbildhaftes Verhalten mit mehr Punkten bei der Landesförderung belohne.