Sonntag, 31. Mai 2015

Russland hindert prominente Kosaken-Aktivisten an Reise nach Lienz

Russische Behörden haben Ende der Woche zumindest vier führende Kosaken-Vertreter an der Ausreise gehindert und damit ihre Teilnahme an Gedenkfeiern in Lienz vereitelt, wo am Montag des 70. Jahrestages der „Lienzer Kosakentragödie“ gedacht wird.

25.0000 Kosaken, die in Osttirol stationiert waren, wurden vor 70 Jahren an die Rote Armee ausgeliefert
25.0000 Kosaken, die in Osttirol stationiert waren, wurden vor 70 Jahren an die Rote Armee ausgeliefert - Foto: © D

Mehr als 2.000 Kosaken aus aller Welt sollen am Montag in Lienz der Ereignisse vor genau 70 Jahren gedenken.

An jenem Tag hatten britische Truppen mit der gewaltsamen Auslieferung eines in Osttirol lagernden Kosakenverbandes an die Rote Armee begonnen. Geschätzte 25.000 Menschen wurden in Folge übergeben, betroffen waren nicht nur jene Kosaken, die auf Seite der deutschen Wehrmacht zuvor in Jugoslawien Partisanen bekämpft hatten, sondern auch im Tross mitreisende Frauen und Kinder.

In der Sowjetunion stand den „Lienzer Kosaken“ Lager und Verbannung bevor, die militärischen Anführer wurden 1947 in Moskau exekutiert. Aber noch in Osttirol hatte es im Juni 1945 zahlreiche Opfer durch Selbstmorde und Gewaltanwendung britischer Soldaten gegeben – am Friedhof im Lienzer Ortsteil Peggetz finden sich Gräber von etwa 300 Kosaken.

Als Höhepunkt der Gedenkfeiern am Montag in Lienz ist die Einweihung einer Kapelle geplant, deren Errichtung maßgeblich vom prominenten Kosaken-Aktivisten Wladimir Melichow mitorganisiert worden war.Melichow sowie drei weitere Kosaken wurden jedoch an ihrer Ausreise aus Russland gehindert: Oleg Gaponow, Jewgeni Kalita und Wladimir Schewtschuk, die in Lienz die Gruppe von Don-Kosaken hätten anführen wollen, seien am Freitag in Rostow am Don auf Grundlage falscher Beschuldigungen von der Polizei vorübergehend festgesetzt worden, erklärt Melichow gegenüber der APA.

Ihm selbst sei am Freitag beim Grenzübertritt am Moskauer Flughafen Domodedowo der Reisepass eine Stunde lang abgenommen worden und schließlich mit einer herausgeschnittenen Seite retourniert worden. „Wegen der fehlenden Seite im Reisepass wurde mir die Ausreise verwehrt“, sagte Melichow, der am Montag in Lienz auftreten und mit Kosaken-Vertretern aus aller Welt Gespräche führen sollte. „Dies galt es zu verhindern“, klagt er.

Der von Anhängern als „Ataman“ (Kosakenanführer, Anm.) genannte Melichow, der ein Vermögen als Besitzer einer Zementfabrik verdient hat, befindet sich mehreren Jahren im Clinch mit den Behörden: Im Zusammenhang mit einem Denkmal für „Don-Kosaken im Kampf gegen die Bolschewiken“, das sich auf Episoden des russischen Bürgerkriegs zwischen 1917 und den frühen 1920ern bezieht, war der Nationalist und erklärte Antibolschewist Melichow mit Extremismusvorwürfen konfrontiert worden. Im Zuge eines letztendlich eingestellten Verfahren wegen angeblicher Wirtschaftsdelikte saß er 2008 acht Monate lang in Untersuchungshaft.

Ursprünglich waren die Kosaken freie Reiterverbände. Zu Zeiten des russischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkrieg waren die Kosaken gespalten und fanden sich auf jeweils beiden Seiten wieder: Bei den zaristischen „Weißen“ als auch bei den kommunistischen Bolschewiken bzw. bei Hitler-Deutschland als auch in der Roten Armee.

apa

stol