Der römische Sänger Alex Britti, das Showgirl Lory del Santo und die früheren Inter Mailand-Fußballer Alex Cordaz und Julio Cesar haben eines gemeinsam: Sie alle sind Opfer dieses Netzwerks aus korrupten Polizeibeamten und privaten Ermittlern, das über Jahre hinweg unbefugt auf staatliche Datenbanken zugegriffen haben.<BR /><BR />Ermittler gehen davon aus, dass insgesamt mehr als eine Million unrechtmäßige Zugriffe auf staatliche Datenbanken erfolgt sind.<BR />Die Untersuchungen werden von der auf Cyberkriminalität spezialisierten Einheit der Staatsanwaltschaft Neapel unter Leitung des Oberstaatsanwalts Nicola Gratteri geführt. Nach Angaben der Behörden wurden vier Verdächtige in Untersuchungshaft genommen, sechs weitere stehen unter Hausarrest. Gegen zahlreiche weitere Beschuldigte wurden Auflagen verhängt. Zudem beschlagnahmten die Ermittler Vermögenswerte im Wert von rund 1,3 Millionen Euro. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/polizeiskandal-in-italien-verdaechtiger-in-suedtirol-angezeigt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Wir haben berichtet)</a><BR /><BR />Den Beschuldigten werden unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, Korruption, Verletzung von Dienstgeheimnissen und unbefugter Zugang zu Computersystemen vorgeworfen. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Beamte ihre dienstlichen Zugangsdaten genutzt haben, um sensible Informationen aus Polizeidatenbanken oder Steuerarchiven abzurufen. Die Daten seien anschließend gegen Bezahlung an private Ermittlungsfirmen weitergegeben worden.<BR /><BR />Die Preise für einzelne Daten lagen laut Ermittlern zwischen sechs und 25 Euro. Die Informationen seien demnach etwa in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, Scheidungsverfahren oder Sorgerechtskonflikten genutzt worden. Wer die eigentlichen Auftraggeber der Spionageaktionen waren, ist bislang weitgehend unklar.<BR /><BR />Unter den Hauptverdächtigen befinden sich mehrere Unternehmer aus dem Bereich privater Sicherheits- und Ermittlungsdienste sowie Polizeibeamte aus Neapel. Ein ehemaliger Vize-Inspektor soll mehr als 677.000 unbefugte Zugriffe vorgenommen haben. Ein weiterer Beamter wird verdächtigt, über 131.000 Abfragen durchgeführt zu haben. <BR /><BR />Die Ermittlungen waren durch eine Auffälligkeit bei der italienischen Sozialversicherungsbehörde INPS ins Rollen gekommen. Dort waren ungewöhnliche Zugriffe auf geschützte Daten registriert worden. Die Ermittlungen dauern weiter an.