Montag, 01. März 2021

Saftige Strafen für Skater in Bozen

Der Skatepark „Platza“ auf den Talferwiesen ist zu – wegen Corona. Dass daneben ungestört Volleyball gespielt werden darf, ist für die Jugendlichen unverständlich – sie skateten weiter. Nun haben 3 von ihnen saftige Strafen erhalten.

3 junge Skater haben saftige Strafen von mehr als 600 Euro erhalten.
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3 junge Skater haben saftige Strafen von mehr als 600 Euro erhalten. - Foto: © sk8project bz
Ungerecht behandelt fühlen sich die Jugendlichen, wie Gabriel Widmann, der Vorsitzende des ASV „Skateboardproject“-Vereins, erklärte. Der Skatepark war bereits im März 2020 geschlossen, aber: „Der Unterschied zu heute ist, dass das Verbot jetzt nur den Skatepark betrifft und nicht das gesamte Sportgelände. Dies hat dazu geführt, dass wir Skateboarder uns diskriminiert fühlen“, sagt Widmann. Deshalb waren die jungen Skateboarder trotz Schließung in den vergangenen Tagen wiederholt über den Zaun geklettert und immer wieder von den Ordnungshütern herausgeholt wurden. „Wir als Verein verstehen, dass aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation der Skatepark wegen des großen Andrangs geschlossen wurde. Aber auf der anderen Seite ist es nicht richtig, einen öffentlichen Bereich ohne eine konkrete Regelung zu schließen, die die Handlung rechtfertigt“, meint Widmann.

Nun griffen die Ordnungshüter erstmals richtig durch: Wie die Mutter eines der Skater berichtet, wurden am Donnerstag Personalien von Jugendlichen aufgenommen. „Am Freitagvormittag standen dann 2 Finanzbeamte vor der Tür und haben unserem Sohn den Strafbescheid (der Bescheid liegt der Redaktion vor; Anm. der Red.) über 680 Euro wegen Menschenansammlung und dem Eindringen in die geschlossene Anlage zugestellt. Dabei war nur eine Handvoll Jugendliche in dem Moment drinnen“, erzählt Patrizia Gozzi Buca. Als Sportlehrerin plädiert sie für die Öffnung des Parks: „Die Jugendlichen brauchen den Sport und manche von ihnen sind so gut darin, dass sie auch Geld damit verdienen“, erklärt Gozzi Buca. „Worin besteht der Unterschied zu den Bodybuildern, die auch im Freien trainieren?“, fragt sie.

Rassistische Beweggründe bei Ausstellung der Strafen?

Doch damit nicht genug. Wie Matthias Vesco, Lehrer für Latein und Deutsch, aktiver Skateboarder, langjähriges Mitglied des Vereins „Skate Project“ berichtet, stehe in Hinblick auf die bestraften Jugendlichen der Verdacht von rassistischen Vorgehens seitens der Finanzpolizei im Raum. Wie Vesco betont, habe die Finanzpolizei am Mittwochnachmittag über 10 Personen kontrolliert, aber genau jene 3 mit einer Strafe belegt, von denen mindestens einen Elternteil nicht aus Italien stammt. „Das Ganze könnte also einen rassistischen Hintergrund haben“, so Vesco.

Denn: Die Finanzpolizei habe diesbezüglich eine Stellungnahme abgegeben, und erklärt, dass man nur diese 3 Jugendlichen bestraft hätte, weil alle anderen weggelaufen seien. Laut Vesco würden etliche Zeugenaussagen und 2 Videos beweisen, dass dies so nicht stimme.

Hoffnung auf Öffnung

Auch bei Gemeinderat und Skatepark-Initiator Tobe Planer läuft das Telefon seit Tagen wegen der Sache heiß. Es gebe auch einen technischen Bericht des staatsweiten Skaterverbands für Corona-Zeiten, erklärt Planer: „Darin ist die Rede davon, dass ein Skater auf 35 Quadratmetern zulässig ist, das wären im Bozner Skatepark 30 gleichzeitig“, erklärt Planer. Er hoffe auf eine Öffnung: „Zumindest nach dem Lockdown am 15. März.“ Er versteht die Jugendlichen: „Das ist ihre Leidenschaft, und wenn andere daneben Volleyballspielen dürfen, ist das schwer zu verstehen“, sagt er.

wei/stol

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