Donnerstag, 22. Juni 2017

Salewa Garten: Ein Netzwerk der Solidarität für Flüchtlinge

Seit März ermöglichen mehrere Südtiroler Unternehmen und freiwillige Helfer 15 Flüchtlingen und Migranten eine sinnvolle Beschäftigung. Die Männer aus verschiedenen Bozner Flüchtlingseinrichtungen bestellen dabei einen 3.000 Quadratmeter großen Acker und lernen, wie die biologische Landwirtschaft funktioniert.

Stephanie Völser, Leiterin des Projekts, Landesrat Philipp Achammer und Heiner Oberrauch, Gründer des „Salewa Gartens“ und die Migranten mit der ersten Schubkarre Salat.
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Stephanie Völser, Leiterin des Projekts, Landesrat Philipp Achammer und Heiner Oberrauch, Gründer des „Salewa Gartens“ und die Migranten mit der ersten Schubkarre Salat. - Foto: © D

„Nichts tun ist gravierend für diese meist jungen und motivierten Menschen, es nimmt ihnen ihre Würde und auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, einige treibt die Situation in die Depression“, argumentiert Heiner Oberrauch, Präsident der Salewa/Oberalp-Gruppe und Gründer des Salewa Gartens. „Wir haben versucht, eine sinnvolle Beschäftigung mit Verbänden und der öffentlichen Verwaltung zu organisieren, aber es ist uns nicht gelungen. Da die Politik nicht alles schaffen kann, kann doch die Zivilgesellschaft ihren Beitrag leisten. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, einigen Flüchtlingen und Migranten eine sinnvolle Beschäftigung und eine Integrationsmöglichkeit zu bieten. So ist der Salewa Garten entstanden.”

Der Papst redet ins Gewissen

Oberrauch war von der Rede von Papst Franziskus am Karfreitag berührt: „Der Papst hat gesagt ‚Schämt euch!‘ und die Gesellschaft zum Handeln aufgerufen.“ Das hat der Salewa-Präsident dann auch getan. Er nimmt Flüchtlinge bei sich Zuhause auf und beginnt, nach Projekten zu suchen, die er unterstützen könnte. Doch die Bürokratie kommt ihm in die Quere und macht diese schwer umsetzbar. Deshalb wurde das Projekt dann auf dem eigen Grund und Boden in der Bozner Industriezone umgesetzt.

Schützenhilfe aus nächster Nähe

Stephanie Völser, Executive Assistant des Präsidenten und Koordinatorin des Projektes, ist seit Anfang 2016 Freiwillige Helferin der Zivilbewegung Binario 1 und hatte dabei persönlich Kontakt mit den in Bozen angekommenen Personen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Integration vor allem auch mit einer aktiven Beschäftigung einhergeht und hat so den Unternehmer überzeugt, die Wiese direkt beim Hauptsitz der Unternehmensgruppe zur Verfügung zu stellen.

Erste Ente: Salat

In der vergangen Woche wurde bereits der erste Salat geerntet. Erwerben kann man das Angebaute ab Juli immer donnerstags zwischen 18 und 19 Uhr. Genau dieser Aspekt war Völser sehr wichtig: „Dieser Kontakt zum Bürger ist uns sehr wichtig. Wir wollen einen Dialog starten.“

Achammer voll des Lobes

Integrations-Landesrat Philipp Achammer meint, das Projekt habe Vorzeigecharakter. Denn „der Mut zum Handeln ist keine Selbstverständlichkeit. Eine Ausbildung zu schenken, ist sinnvoll und sollte nicht, wie kürzlich bei einem ähnlichen Projekt der Südtiroler Gärtnervereinigung, kritisiert werden.“ Der Landesrat hofft in der Zukunft auf eine engere Zusammenarbeit mit Projekten aus der Zivilgesellschaft.

3000 Quadratmeter und 30 Sorten Obst und Gemüse

Im vergangenen März haben die Vorbereitungen und Arbeiten begonnen, um die 3000 Quadratmeter große Fläche in einen Acker zu verwandeln. Über 30 verschiedene Sorten, von Gemüse über verschiedene Kräuter bis hin zu Himbeeren gedeihen im Salewa Garten. Mittlerweile arbeiten 15 Flüchtlingen und Migranten an dem Projekt. 

Das Projekt wird von einigen Freiwilligen betreut, wie etwa Caroline Hohenbühel, welche schon seit 2015 bei der Flüchtlingsintegration aktiv ist, und Josef Zemmer, einem professionellen Gärtner, welcher sein Wissen der biologischen Landwirtschaft weitergibt.

„Spontanes Netzwerk der Solidarität“

Der Boden war augenscheinlich aber nicht nur für Salat & Co. fruchtbar, sondern auch für viele neue Partnerschaften mit anderen lokalen Unternehmen, welche sich aus eigener Initiative beteiligt haben und ein Netzwerk der Solidarität entstehen haben lassen. So meldeten sich auch Sternekoch Egon Heiss und Gregor Wenter vom Restaurant „Bad Schörgau“ im Sarntal sofort nach Bekanntwerden des Projekts als Abnehmer an. Heiss organisierte auch organischen Dünger, welcher zusammen mit dem Kompost von Bioenergia Trentino für eine vielversprechende biologische Ernte sorgt. Alle Samen und Setzlinge wurden von Biasion gespendet. Alle Geräte, um den Boden zu bestellen, wurden von der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft Bozen zur Verfügung gestellt und lagern zurzeit in einem Container der Firma Niederstätter.

stol/wh

stol