Freitag, 21. Mai 2021

Salzburger im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gefasst

Im deutschen Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat die österreichische Polizei nun einen Mann in Salzburg gefasst. Der 34-Jährige ist einschlägig vorbestraft und gestand bereits, im Tatzeitraum 2019 seine damals 4-jährige Tochter sexuell misshandelt und die Taten gefilmt zu haben.

Deutsch-österreichische Kontakte gab es im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach.
Deutsch-österreichische Kontakte gab es im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach. - Foto: © APA/dpa / Oliver Berg
Auf die Spur des Täters waren die Ermittler nach einem Hinweis der internationalen Sonderkommission (BAO) Berg in Köln gekommen, die in dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ermittelt.

Der Fall war im Oktober 2019 medial bekannt geworden und hatte sich immer mehr ausgeweitet. Die Verdächtigen sollen meist die eigenen Kinder oder Stiefkinder sexuell missbraucht, die Taten gefilmt und über Handychats ausgetauscht haben. Die Polizei richtete daher die Sonderkommission (BAO) Berg ein. Bereits im Jänner 2020 gab es Hinweise, dass auch zumindest ein Österreicher in den Fall involviert sein dürfte. Nun wurde der 34-Jährige in Salzburg gefasst.

Täter aus Deutschland und Österreich im Kontakt

Nach dem Tipp der deutschen Behörden übernahm das österreichische Referat für Sexualstraftaten und Kinderpornografie im BK den Fall. Umfangreiche Ermittlungen führten nach rund einem Jahr zu dem Verdächtigen, der in Salzburg lebte und Vater eines zum Tatzeitpunkt vier Jahre alten Mädchens war. 2019 hatte er in einem Chat mit einem deutschen Täter die Missbrauchshandlungen geschildert und Fotos hochgeladen.

Bei seinem Kontakt handelt es sich nach Angaben der Kölner Sonderkommission um einen der Haupttäter des Missbrauchskomplexes, der bereits rechtskräftig zu 12 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden ist. Den schweren sexuellen Missbrauch seiner Tochter im Kleinkindalter dokumentierte der Österreicher bildlich und versendete diese Aufnahmen mit einem Messengerdienst weiter.

Konkret soll er seinem Kontakt den Missbrauch seiner Tochter geschildert und Fotos hochgeladen haben. Der Beschuldigte in Salzburg ist bereits einschlägig vorbestraft und gab die ihm zur Last gelegten Vorwürfe zu. Eine Anklage der Staatsanwaltschaft Salzburg steht laut BK noch aus.

Internationale Zusammenarbeit führt zu Ermittlungserfolg


„Wie wichtig die internationale Kooperation speziell in diesem höchst belastenden Arbeitsbereich der Kriminalpolizei ist, wurde in diesem Ermittlungsfall wiederum klar sichtbar“, sagte der zuständige Referatsleiter im Bundeskriminalamt, Chefinspektor Jürgen Ungerböck. Das Referat für Sexualstraftaten und Kinderpornografie im Bundeskriminalamt Österreich hat nach eigenen Angaben mit den deutschen Ermittlungsbehörden seit Jahren einen engen Informationsaustausch.

Der Leiter der BAO Berg, Kriminaldirektor Michael Esser, bewertete den Ermittlungserfolg ähnlich: „Wenn wir Kindern in ihren schlimmen Lebenssituationen helfen wollen, dürfen wir nicht vor Länder- und Staatengrenzen halt machen, die für die im Internet agierenden Täter bedeutungslos sind.“ Esser über die Arbeit: „Ein Missbrauchsfoto zu sehen, ist immer eine Belastung. Wenn das Kind am Ende aber die Hilfe bekommt, die es dringend braucht, wird Ermittlungsarbeit erträglicher.“

Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ist eines der abscheulichsten derartigen Verbrechen, die in jüngerer Vergangenheit aufgeflogen sind. In einer Zwischenbilanz im Jänner dieses Jahres betonte die Sonderkommission, dass seit der Übernahme der österreichweiten Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte am 30. Oktober 2019 52 missbrauchte Kinder befreit und 330 Tatverdächtige identifiziert wurden. 10 Männer sind inzwischen zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, 2 Urteile sind bereits rechtskräftig.

7 Beschuldigte saßen im Jänner in Nordrhein-Westfalen in Untersuchungshaft. Die BAO Berg hat 7 Verfahren nach Österreich, Frankreich, Finnland, Schweden, in die Schweiz und in die Niederlande abgegeben.

apa