Der Kassationsgerichtshof in Rom bestätigte die lebenslangen Freiheitsstrafen gegen die Eltern Shabbar Abbas und Nazia Shaheen sowie gegen die Cousins Ijaz Ikram und Noman Ul Haq. Der Onkel der jungen Frau, Danish Hasnain, muss eine Freiheitsstrafe von 22 Jahren verbüßen. Damit sind die Urteile rechtskräftig.<BR /><BR />Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde die pakistanischstämmige Italienerin im Frühjahr 2021 in Novellara bei Reggio Emilia getötet, weil sie eine von ihrer Familie arrangierte Ehe ablehnte und ein selbstbestimmtes Leben nach westlichen Vorstellungen führen wollte. Nach der Tat waren ihre Eltern nach Pakistan geflohen, wurden später jedoch nach Italien ausgeliefert.<BR /><BR />Die Anwältin Barbara Iannuccelli, die den damaligen Freund von Saman Abbas als Nebenkläger vertrat, sprach von einem lange erkämpften Urteil. Sie habe den Fall seit der Vorverhandlung im Jahr 2022 begleitet, sei bei der Bergung der Leiche und der Obduktion sowie bei sämtlichen Gerichtsverhandlungen anwesend gewesen. „Wir haben dafür kämpfen müssen, das Offensichtliche zu erreichen, das die Staatsanwaltschaft von Reggio Emilia von Anfang an nachgewiesen hatte“, sagte sie. Zufrieden über die Entscheidung sei sie dennoch. <BR /><BR />Zugleich sei es bedrückend, dass so hart dafür gekämpft werden musste, das grundlegende Recht einer 18-Jährigen auf ein selbstbestimmtes Leben und die freie Wahl ihres Partners zu verteidigen. Am Rande der Urteilsverkündung hob die Anwältin von Samans Bruder Ali Haider dessen entscheidende Rolle bei der Aufklärung des Falls hervor. Der junge Mann habe mit seiner Aussage vor Gericht maßgeblich dazu beigetragen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. „Er hat immer gesagt, dass er Gerechtigkeit für seine Schwester will - und dafür hat er gekämpft“, sagte die Juristin. Das Leben von Ali Haider sei jedoch „für immer zerstört“ und werde sich von den Folgen der Tat nie vollständig erholen.<BR /><BR />Auch die Gleichstellungsbeauftragte der Region Emilia-Romagna, Gessica Allegni, begrüßte das Urteil. Die rechtskräftige Verurteilung verschaffe dem Andenken an Saman Abbas Gerechtigkeit und mache deutlich, dass sie getötet worden sei, weil sie ihr Recht auf Selbstbestimmung gefordert habe. Der Fall zeige zugleich, dass Gewalt gegen Frauen kulturelle, religiöse und soziale Grenzen überschreite. <BR />Entscheidend sei, Frauen zu schützen, die sich für ein selbstbestimmtes Leben entschieden.<BR /><BR />Der Mord sei von der ganzen Familie organisiert worden, um Saman zu bestrafen, die eine von ihren Eltern arrangierte Ehe mit einem Pakistaner nicht akzeptiert hatte, urteilte das Gericht. Den Zorn der Familie hatte ein auf Facebook gepostetes Foto ausgelöst, auf dem Saman ihren Freund küsst. Angenommen wird, dass der Vater die Tochter nach einem Streit erwürgt hat, weil diese das Elternhaus verlassen wollte. Die Leiche wurde mehrere Monate nach dem Mord begraben entdeckt.<BR />Bei dem erstinstanzlichen Prozess, der im Dezember 2023 zu Ende gegangen war, waren die Eltern des Mädchens zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden, die Mutter in Abwesenheit, da sie zum Zeitpunkt des Prozesses noch nicht nach Italien ausgeliefert worden war. Sie hatte sich in Pakistan der Justiz entzogen, war jedoch danach festgenommen und an Italien ausgeliefert worden.