Donnerstag, 28. September 2017

Sanitätsbetrieb: „Pflichtimpfung als Lebensretter“

Im Streit um die in Italien eingeführte Pflichtimpfung wirft der Südtiroler Sanitätsbetrieb ein neues Argument in die Waagschale: Gerade Personen, die „immundeprimiert“ sind und deshalb selbst nicht geimpft werden können, seien auf ein geimpftes Umfeld angewiesen. Ansonsten könnten sie mit ihrem Leben bezahlen.

Impfen kann nicht nur das eigene Leben retten, erklärt der Südtiroler Sanitätsbetrieb.
Badge Local
Impfen kann nicht nur das eigene Leben retten, erklärt der Südtiroler Sanitätsbetrieb. - Foto: © shutterstock

„Immundeprimiert“ bedeutet, dass das körpereigene Immunsystem geschwächt ist. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können daran leiden. „Immundeprimierte“ Personen dürfen meist selbst nicht geimpft werden. Wie der Sanitätsbetrieb in einer Mitteilung am Donnerstag mitteilt, wird gerade für diese Personen eine Erhöhung der Durchimpfungsrate zur Überlebensfrage.

Allein in Südtirol gibt es laut Sanitätsbetrieb 200 „immundeprimierte“ Kinder.

Die Notwendigkeit, die Durchimpfungsrate zu erhöhen, begründet der Sanitätsbetrieb anhand eines tragischen Beispiels vor wenigen Tagen: Auf Sizilien war ein 42-jähriger Mann an Masern gestorben.

Der Mann war nicht geimpft und „immundeprimiert“, das bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem oder Immunsystem geschwächt war. Je nach Ausmaß sind die körpereigenen Abwehrkräfte dabei nur geschwächt oder sogar völlig außer Kraft gesetzt. 

„Der Körper dieses Mannes war offensichtlich stark anfällig gegenüber Infektionen. Eine höhere Durchimpfungsrate hätte sein Risiko, infiziert zu werden, stark gesenkt“, erklärt Dagmar Regele, Direktorin des Departments für Gesundheitsvorsorge im Südtiroler Sanitätsbetrieb.

„Impfung schützt die Schwächsten der Schwachen“

Auch Thomas Lanthaler, geschäftsführender Sanitätsdirektor, erinnert in der Aussendung daran, dass Impfen viel mit sozialer Verantwortung zu tun hat: „Sein Kind impfen zu lassen ist eben nicht nur eine individuelle Gesundheitsentscheidung, sondern gleichzeitig helfen wir auch jenen Menschen, die aufgrund eine Immunsuppression geschwächt sind. In Südtirol sind dies immerhin rund 200 Minderjährige.“ 

Auch das Gutachten des Staatsrates, das aufgrund eines aufschiebenden Dekretes der Region Veneto Anfang dieser Woche ergangen ist, spricht für den Südtiroler Sanitätsbetrieb eine klare Sprache: „Es ist erwiesen, dass nur die stärkere Durchimpfung von Kindern eine geeignete und angemessene Maßnahme ist, um auch die Gesundheit anderer Kinder zu gewährleisten. Durch die Erreichung der sogenannten „Herdenimmunität“ ist die Impfung in der Lage, die Gesundheit der schwächsten Glieder der Bevölkerung zu schützen, nämlich jener, die sich aus verschiedenen Gründen nicht impfen dürfen.“

Generaldirektor Thomas Schael betont, dass die Umsetzung der Pflichtimpfungen ein unaufschiebbarer Auftrag für den Südtiroler Sanitätsbetrieb sei: „Indem das Gutachten des Staatsrates eindeutig feststellt, dass die Impfdokumentation bereits im laufenden Schuljahr abgegeben werden muss, um weiterhin Kindergarten und –hort besuchen  zu dürfen, schwinden langsam auch letzte Zweifel an der Intention des Gesetzgebers: durch die Impfung die Schwächsten der Schwachen, sprich jene, die am anfälligsten für Infektionen sind, zu schützen.“

stol

stol