„Mir geht es vor allem darum, auf diese weitgehend unbekannte Krankheit aufmerksam zu machen und Betroffenen zu helfen“, sagt Georg. Er lebt mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder auf einem kleinen Hof in Windlahn. Nach der Matura an der Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer arbeitete er als Gärtner, bis erste gesundheitliche Probleme auftraten.<BR /><BR />In den Jahren 2020/21 erkrankte Georg – trotz Impfung – an Covid-19, im Mai 2023 folgte eine Herzmuskelentzündung. Im Frühjahr 2025 bemerkte er erste Beschwerden: „Ich war ständig erschöpft, schon kleine Anstrengungen haben mich völlig ausgelaugt, dazu kam ein Gefühl, wie benebelt zu sein“, erzählt er. <BR /><BR />Georg versuchte zunächst, mit Sport und Aktivitäten dagegen anzukämpfen – doch das Gegenteil trat ein. Nach jeder Anstrengung verschlechterte sich sein Zustand. Hinzu kamen Schwindel, Muskelschwere, Schlafstörungen sowie eine extreme Licht- und Geräuschempfindlichkeit.<h3> Erschöpfung nach geringer Belastung</h3>Im Laufe des Sommers ging es weiter bergab: Er hatte keine Energie und keine Kraft mehr. Im September gab er seine Arbeit auf, in der Hoffnung, schon bald einer leichteren nachgehen zu können. Doch selbst geringste Belastungen führten zu völliger Erschöpfung. <BR /><BR />Diese massive Verschlechterung nach Anstrengung – ein Hauptsymptom von ME/CFS – unterscheidet die Krankheit deutlich von Depression oder Burnout. Es folgte eine Odyssee mit zahlreichen Arztbesuchen und Untersuchungen, vieles davon privat finanziert „Die meisten Ergebnisse waren unauffällig, auch die üblichen Blutwerte. Spezielle Blutwerte hingegen zeigten deutliche Auffälligkeiten“, sagt Georg.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1301724_image" /></div> <BR />Im Dezember verschlechterte sich sein Zustand dramatisch: Zwei Wochen lang konnte er das Bett nicht verlassen. Nach mehreren schlaflosen Tagen wurde er ins Krankenhaus Bozen eingeliefert. Wieder zu Hause ging es weiter bergab. „Mehr als zwei Monate lag Georg im abgedunkelten Zimmer, konnte kaum noch essen, gehen oder sprechen“, erzählt seine Mutter Martina, die seit Weihnachten unbezahlten Urlaub genommen hat, um ihren Sohn zu pflegen.<BR /><BR />Als Georg nur noch 46 Kilogramm wog, wurde er vor gut einem Monat erneut im Bozner Krankenhaus aufgenommen. Dort werden derzeit zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Georg und seine Eltern stehen auch in Kontakt mit der Neuroreha in Sterzing, Südtirols einziger spezialisierter Anlaufstelle für ME/CFS- und Long-Covid-Betroffene. <h3> Wenig bekannte Krankheit, die ganzes Leben verändert </h3>Ein Neurologe einer Südtiroler Privatklinik stellte schließlich die Diagnose: ME/CFS.<BR /><BR />„Am schlimmsten ist, dass mir oft nicht geglaubt wird und alles als psychisch dargestellt wird. Viele wissen gar nicht, was ME/CFS ist. Aber für Betroffene verändert es das ganze Leben“, sagt er. Georg wünscht sich mehr Verständnis und eine stationäre Einrichtung für Erkrankte. Für sich selbst hofft er vor allem auf eine offizielle Anerkennung der Diagnose – und damit Zugang zu der Unterstützung, die er dringend benötigt.<BR /><BR />Ein kleiner Hoffnungsschimmer begleitet ihn dennoch: Im vergangenen Jahr hat sich Georg mit dem Kauf eines kleinen Motorboots einen Traum erfüllt. Heute steht es sinnbildlich für seine größte Hoffnung – eines Tages wieder selbst am Steuer zu sitzen, hinauszufahren und Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückzufinden.