Mittwoch, 07. April 2021

Sarner Betrieb erhält Patent für innovativen 3D-Druckkopf

Der weltweit erste für den 3D-Druck verwendete Beton-Inkjet-Druckkopf für das Selective Paste Intrusion-Verfahren kommt aus dem Sarntal. Nach Jahren der Forschung und Entwicklung hält der Unternehmer Kurt Wohlgemuth seit Kurzem das Patent in den Händen. Was zeichnet die bahnbrechende Technologie made in Südtirol aus?

Rund 10 Jahre arbeitete Kurt Wohlgemuth am Beton-Inkjet-Druckkopf.
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Rund 10 Jahre arbeitete Kurt Wohlgemuth am Beton-Inkjet-Druckkopf. - Foto: © Ivo Corrà
Über Binderjet-Düsen und den neu entwickelten Druckkopf wird flüssiger Portlandzement in ein grobkörniges Sandbett gespritzt. Das Ergebnis: 3D-Objekte in beliebigen Formen, die - im Gegensatz zu marktüblichen Herstellungsverfahren für Beton - beim Druck lediglich eine digitale Vorlage brauchen.

„Während man beim sogenannten „Contour Crafting“ den Beton nicht in überhängende Formen bringen kann und aufwändige Stützstrukturen benötigt, erlaubt es dieser Druckkopf, vergleichbar mit vielen Tortenspritzen, völlig frei beliebige dreidimensionale Formen und Objekte zu drucken“, erklärt Kurt Wohlgemuth.

Die Geschichte beginnt vor rund 10 Jahren mit der Idee des gelernten Kunstschmieds, eine Treppe von der Planung bis zur Produktion gänzlich digital zu fertigen. „Als Handwerker im Sarntal muss man sich etwas überlegen, um zu überleben“, so der Inhaber von Metall Concept. Damals wandte er sich erstmal an den NOI Techpark (damals TIS). Mit dem dortigen Netzwerk und in mehreren gemeinsam ausgearbeiteten F&E-Projekten entwickelte Wohlgemuth in den darauffolgenden Jahren gemeinsam mit verschiedensten Partnern aus Wirtschaft und Forschung innovative Schalungssysteme und Druckverfahren.

In Zusammenarbeit mit dem Brixner Betonspezialisten Progress AG entstand ein erster Druckkopf für Sorelzement. Da dieses Material weit weniger Anwendungsmöglichkeiten als Beton bietet, forschte Wohlgemuth weiter – und patentierte 2021 schließlich den weltweit ersten 3D-Beton-Inkjet-Druckkopf.



„Kurt Wohlgemuth ist ein Musterbeispiel dafür, wie Forschung und Entwicklung funktioniert“, so der Verantwortliche für Tech Transfer Automotive & Automation im NOI, Johannes Brunner, der den Sarner Unternehmer von Beginn an begleitete. „Es braucht dafür nicht nur eine zündende Idee, sondern viel Ausdauer, Mut, und vor allem ein Netzwerk mit den richtigen Partnern - in diesem Fall mit der TU München, der Universität Trient sowie den Unternehmen Progress M&A in Brixen, FIT Additive Manufacturing Group und BASF AG.“

Seine Ursprungsvision, eine gedruckte Beton-Treppe, wird Kurt Wohlgemuth dank dieses Patents künftig verwirklichen können. Doch das Anwendungsfeld des neuen 3D-Druckkopfs für Beton ist noch viel breiter und eröffnet der Südtiroler Industrie Möglichkeiten für weitere Produkt- und Verfahrensinnovationen.

stol

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