Mit fast allen Bauern ist eine Einigung erzielt worden, bei „einer Handvoll“ muss noch einmal nachgerechnet werden.Das Geld wird den Bauern in den nächsten Wochen nach und nach ausbezahlt, sagt Hansjörg Hafner, Bereichsleiter für Weinbau im Beratungsring. Eigentlich hätten die Bauern das Geld schon im Sommer bekommen sollen. Doch das Abwickeln der Auszahlung gestaltete sich am Ende aufwändiger als ursprünglich gedacht. Der Beratungsring sammelte in Südtirol die Daten.Diese wurden nach Deutschland übermittelt zu einem Sachverständigenbüro, sagt Hafner. „Dort wurde alles geprüft und berechnet und erneut kontrolliert. Dann musste den unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen Rechnung getragen werden. Am Ende kann man jetzt sagen, dass die entstandenen Schäden im Großen und Ganzen beglichen werden“, resümiert der Bereichsleiter des Beratungsringes.Kellereigenossenschaften am meisten betroffenGerade den Bauern, die es stark erwischt hat, werde der Schaden fast zur Gänze ersetzt. Bei einigen Bauern waren 2 bis 3 Hektar Reben in Mitleidenschaft gezogen worden, sagt Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler. Am meisten betroffen sind Kellereigenossenschaften, berichtet Hafner. „Denn bei diesen läuft 70 Prozent der Produktion ab.“ Ausbezahlt werden Beträge bis zu 20.000 Euro. Am meisten betroffen waren die Weinsorten Chardonnay und Sauvignon. Schäden hat das Botrytismittel „Luna Privilege“ in allen Bezirken Südtirols angerichtet.Wie berichtet, herrschte im Juni 2015 helle Aufregung bei Südtirols Weinbauern: Wachstums- und Blühstörungen verursachten zum Teil große Ernteausfälle. Bei manchen Bauern lagen diese Ausfälle bei 30 oder 40 Prozent, bei anderen hingegen bei 90 oder sogar 100 Prozent. Über 1000 Parzellen in Südtirol waren betroffen. Als mögliche Ursache wurde bald das Mittel gegen Graufäule (Botrytis) angenommen. Der Hersteller – Bayer – lenkte ein. Der Beratungsring für Obst- und Weinbau koordinierte in der Folge die Schadensabwicklung in Südtirol. Jeder Fall wurde einzeln überprüft. „Die Bayer hat sich der Verantwortung gestellt“, sagt Hafner.Einige Bauern weiterhin unzufriedenDass bei 800 betroffenen Betrieben in Südtirol nur eine Handvoll noch nicht das Angebot der Bayer unterschrieben hat, zeigt auch, dass der Konzern „herwärts“ geschaut hat. Nicht zufrieden waren laut Hafner einige Bauern, die in den vergangenen Jahren einen Hagelschaden in ihren Weinbergen erlitten haben.Nach der Berechnung der Schadenersatz-Summen gelangten sie zur Auffassung, dass sie zu kurz kämen, weil aufgrund dieses Hagelschadens ein geringerer Ertrag in die Schadenersatz-Berechnung für „Luna Privilege“ mit eingeflossen sei. Zur Berechnung des Schadenersatzes wird nämlich der Durchschnitt des Ernteertrages der vergangenen 3 Jahre herangezogen.War der Hagelschaden nicht durch eine Versicherung gedeckt, dann kann er jetzt auch nicht mehr rückwirkend belegt werden. Bei diesen unzufriedenen Bauern wird die Schadenersatzsumme noch einmal überprüft, und dann wird die Bayer sicherlich eine Lösung finden, ist Hafner zuversichtlich. Der Bereichsleiter für Weinbau schließt aus, dass da einige Fälle noch vor Gericht landen werden.D/hof