Dienstag, 17. Januar 2017

Schael und Stocker antworten auf den Protestbrief

Medizinstudenten und Jungärzte haben am Montag in einem Offenen Brief schwere Geschütze gegen Landesrätin Stocker und Sabes-Generaldirektor Thomas Schael aufgefahren. Nun antworten die beiden.

Von den Jungärzten auf die Anklagebank gesetzt, gehen Schael und Stocker nun zur Verteidigung über.
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Von den Jungärzten auf die Anklagebank gesetzt, gehen Schael und Stocker nun zur Verteidigung über.

Das Schreiben wurde am Abend von der Presseabteilung des Sanitätsbetriebs veröffentlicht. Sowohl Martha Stocker als auch Thomas Schael haben den Brief unterzeichnet. Südtirol Online fasst die wichtigsten Punkte kurz zusammen (den kompletten Brief finden Sie angehängt an diesen Artikel):

  • Dank: Der Offene Brief der Jungärzte beweise, dass sich die Mediziner der Heimat verbunden fühlten.
  • Verständnis und Kritik: „Vieles, von dem, was Sie schreiben, können wir nachvollziehen“, schreiben Stocker und Schael. Es gelte aber auch, „im Unmut nicht alles durcheinander zu würfeln“.
  • EU-Arbeitszeitgesetzgebung: Man müsse anerkennen, dass Südtirol „verhältnismäßig früh tätig geworden ist und Vorsorge getroffen hat“. Die Verschärfung sei nicht die Folge eines Versäumnisses auf lokaler Ebene, sondern habe mit der Dynamik eines immer internationaler werdenden Arbeitsmarktes zu tun.
  • Facharztausbildung: Südtirol verfüge weiterhin über zwei funktionierende Ausbildungsschienen – nur die Variante über die österreichische Ärztekammer mit Ausbildungszeiten in Südtirol „hänge“ derzeit. „Das hat aber nichts mit einer eventuell mangelnden Qualität an unseren Krankenhäusern zu tun. Ich kann Ihnen versichern, dass derzeit von Seiten der Politik alle Anstrengungen unternommen werden, dieses Modell wieder zu ermöglichen. Eine Lösung sollte konkret in kurzer Zeit möglich sein.“
  • „Dienstverordnung“: Diese sei „Lichtjahre von der ‚modernen Sklaverei‘" entfernt.  
  • Zweisprachigkeit: Ziel sei, mittelfristig über hochqualifizierte festangestellte und voll zweisprachige Mitarbeiter zu verfügen. Alle Angestellten, die nicht im Besitz der richtigen Zweisprachigkeit sind, würden verpflichtet – und dies zum ersten Mal – die angebotenen Sprachkurse zu besuchen. Wer dann die entsprechende Zweisprachigkeit nicht besitze, könne mit keiner Verlängerung der Beauftragung rechnen.
  • Schmeichelei: „In dieser Optik sind Sie, als künftige Fachkräfte, die zudem perfekt zweisprachig sind, unsere 'prioritäre' Zielgruppe.“
  • „Paradigmenwechsel“: „Wir glauben, dass wir gute bis sehr gute Voraussetzungen haben, den Südtiroler Sanitätsbetrieb im mitteleuropäischen Umfeld als attraktiver Arbeitgeber zu etablieren.“ Dafür notwendig seien allerdings „einige „Paradigmenwechsel“. Stocker und Schael laden die Mediziner ein, „in die konstruktive Auseinandersetzung zu kommen“. Bei einem Treffen kommenden Montag könne man den Austausch vertiefen. Stocker und Schael laden alle Jungärzte ein daran teilzunehmen.
  • Abweisung der Kritik: Das Südtiroler Gesundheitswesen sei kein „kränkelndes röchelndes System“, in dem „weitergewurschtelt“ werde. Auch das Niveau sei hoch und keineswegs provinziell. Was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anlange, stehe der Sanitätsbetrieb im staatlichen und internationalen Vergleich gut da – mit teilweise bezahltem Wartestand, unbezahltem Wartestand, Stillzeiten, Sabbatjahr.
  • Forschung: Vor einigen Monaten sei die Errichtung einer eigenen Stelle beschlossen worden, die Schnittpunkt zwischen Forschung und Klinik sein werde. Auch die Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Eurac Research sei gut.
  • Schluss mit Seitenhieb: „Wir sind überzeugt, dass Südtirol über ein gutes, konkurrenzfähiges Gesundheitswesen verfügt. Wir müssen nur aufhören, es dauernd schlechtzureden und vor jeder kleinen Herausforderung einzuknicken.“ 

stol

stol