Dienstag, 18. Mai 2021

Schändlicher Umweltfrevel: 60 Autoreifen in Passermündung entsorgt

An der Mündung der Passer in die Etsch – an der Stelle, wo der Haarwaal einfließt – haben Unbekannte über 60 alte Autoreifen im Bachbett entsorgt. Andreas Riedl, Präsident des Fischereiverbandes Südtirol, hat als Bewirtschafter der „Passer-Fischer I Stodtboch“, die für diesen Passer-Abschnitt samt Haarwaal zuständig sind, am Sonntag die Müllentsorgung bei Gemeinde, Land und Umweltpolizei (NOE) gemeldet.

Über 60 alte Autoreifen wurden am vergangenen Wochenende an der Passermündung  im Bachbett entsorgt. Einige liegen auf dem Kiesbett, andere im Wasser und einige dürften bereits weggeschwemmt worden sein.
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Über 60 alte Autoreifen wurden am vergangenen Wochenende an der Passermündung im Bachbett entsorgt. Einige liegen auf dem Kiesbett, andere im Wasser und einige dürften bereits weggeschwemmt worden sein. - Foto: © Fischereiverband
Ein Fischereiaufseher der FIPSAS (Gesamtstaatlicher Verband der Sportfischer) war am vergangenen Samstag bei einem Fischgang an der Passermündung auf diese Umweltsauerei aufmerksam geworden. Er hat auch die Altreifen gezählt, es seien über 60. Und er hat umgehend Andreas Riedl davon in Kenntnis gesetzt. „Einige Reifen liegen auf den Kiesbänken, andere im Wasser und einige sind sicher bereits nach Sinich, Burgstall oder bis Sigmundskron weggeschwemmt worden. Erst recht, wenn jetzt das Schmelzwasser weiter zunimmt, werden die alten Autoreifen etschabwärts getrieben“, sagt Riedl.

Wer entsorgt dort alte Autoreifen? „Wir haben in dieser Zone schon seit Jahren ein Problem. Wir wollen niemanden beschuldigen – zumal uns von verschiedenster Seite vorgeworfen wurde, wir wären rassistisch, weil sich in der Nähe das Nomadenlager befindet. Uns geht es einzig und allein darum, dass Gemeindeverwaltung und Stadtwerke hinschauen. Sie müssen sich endlich damit beschäftigen. Denn leider stelle ich eine Passivität der Verwaltung fest. Da schaut jeder aktiv weg. Das kann nicht die Lösung sein“, sagt Riedl. Gerade weil es keine Videoüberwachung gibt, wolle man niemanden beschuldigen.

Zur Erinnerung: Bereits vor 2 Monaten haben Freiwillige FIPSAS-Fischereiaufseher 2 Tage lang die Passermündung u.a. von Autoreifen, einem 200-Liter-Ölfass, einem aufgebrochenen Tresor, Dutzenden Säcken Hausmüll, Sperrplatten und einem alten Fernseher befreit. Damals wurde eine ganze Containerladung dankenswerterweise von den Wildbachverbauern der Agentur für Bevölkerungsschutz entsorgt. „Aber das ist jetzt eine ganz andere Größenordnung, eine neue Dimension. Hier wurden Altreifen im gewerblichen Ausmaß entsorgt“, sagt Riedl.

Es sei anzunehmen, dass die Altreifen unter der Hand bei Werkstätten oder Tankstellen gegen Entgelt gesammelt und dann illegal in der Passer entsorgt wurden. „Solche Werkstätten- und Tankstellenbetreiber sind gleich kriminell wie jene, die die Reifen dann in den Fluss werfen. Das ist ,organisierte Altreifenentsorgung‘. Ich bin enttäuscht, zornig und müde. Mit 3 Bürgermeistern bin ich zusammengesessen – nichts wurde getan“, sagt ein resignierter Fischereiaufseher.

lu