Mittwoch, 09. Oktober 2019

Anschlag in Halle mit 2 Toten: Angreifer wollte in Synagoge eindringen

In der deutschen Stadt Halle in Sachsen-Anhalt sind am Mittwoch Menschen auf offener Straße erschossen worden. 2 weitere wurden schwer verletzt. Offenbar versuchte der Angreifer zuvor in eine Synagoge einzudringen. Die Polizei nahm eine Person fest. Weitere Täter befinden sich noch auf der Flucht. Auch im 15 Kilometer entfernten Landsberg fielen Schüsse.

2 Menschen starben.
2 Menschen starben. - Foto: © APA/afp / SEBASTIAN WILLNOW

Ein schwer bewaffneter Täter hat nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, die Synagoge direkt angegriffen. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.

„Aber unsere Türen haben gehalten.“ Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte Privorozki. In der Synagoge habe die Gemeinde den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert. Die Menschen seien geschockt gewesen. Vor der Tür habe ein Todesopfer des Angreifers gelegen.

„Wir haben die Türen von innen verbarrikadiert und auf die Polizei gewartet.“ In Halle waren am Mittwoch zwei Menschen in der Nähe der Synagoge erschossen worden.

Die Polizei wurde um kurz nach 12.00 Uhr alarmiert.




Auf Fotos ist ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der Sender MDR zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.

Der Bürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, ließ einen Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen. Wiegand sprach am Mittwoch in einer Mitteilung von einer „Amoklage“. Die Menschen in Halle wurden von der Polizei aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen.



Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Leipziger Polizei verstärkte ihre Kräfte vor der Synagoge der benachbarten Stadt. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt. Weitere Maßnahmen seien bisher noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher.

Häuser bis auf Weiteres nicht verlassen

Nach den Schüssen mit 2 Toten und 2 Verletzten hat die Stadt die Bevölkerung erneut eindringlich dazu aufgerufen, bis auf Weiteres Wohnungen und Gebäude nicht zu verlassen oder an sicheren Orten zu bleiben. Oberbürgermeister Bernd Wiegand erklärte laut Mitteilung:
„Zum Schutz der Bevölkerung ist dies unbedingt erforderlich.“ Die Stadt hat ein Bürgertelefon unter der Nummer 115 geschaltet. Der öffentliche Nahverkehr wurde komplett eingestellt. In der Stadt staut sich der Auto- und Lastwagenverkehr.



Nach den tödlichen Schüssen in Halle steht das etwa 15 Kilometer entfernte Landsberg (Saalekreis) am späten Mittwochnachmittag offensichtlich im Fokus der Polizei.

Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Mittwoch abgesperrt. Zuvor waren auch in der Ortschaft ebenfalls Schüsse gefallen, wie eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa bestätigte. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort östlich von Halle wollte sie zunächst nichts sagen.

Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr landetet auf einem Feld bei Wiedersdorf nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht. Sie verwies auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen übernommen hat.


dpa