Südtiroler Experten erklären, was Eltern wissen müssen.<BR /><BR />Die Kinder mit einem Schlafmittel ruhigstellen, damit die Eltern entspannt ihren Abend genießen können: Dieser Trend scheint in den USA immer mehr um sich zu greifen. Und Experten dort schlagen bereits Alarm. Nicht zuletzt auch nach dem Bekenntnis der US-Schauspielerin Kristen Bell, die mit dem Gummibärchen-Trick ihre Töchter ruhigstellt. <BR /><BR />Was den Trend verstärkt, ist der Umstand, dass Melatonin – ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert – in den USA frei erhältlich ist. In Europa ist das nicht überall so. In Deutschland hängt es etwa von der Dosis ab. In der Schweiz sind lediglich drei Melatonin-Präparate zugelassen, alle rezeptpflichtig.<h3> „Wo endet das alles?“</h3>In Italien bzw. Südtirol ist es hingegen ähnlich wie in den USA: „Bei uns gibt es massenhaft Melatonin-Produkte, die frei käuflich sind. Da gibt es überhaupt keine Zugangsbeschränkung“, erklärt Dr. Alfons Haller, Kinderarzt in Kurtinig. Klarerweise sei es belastend für Eltern, wenn Kinder nicht ein- oder durchschlafen und die Nacht zum Tag machen würden. <BR /><BR />Der Griff zum Melatonin-Präparat (hierzulande oft in Tropfenform und zusätzlichen Inhaltsstoffen) sei dann aber „der Weg des geringsten Widerstandes“ und würde die Ursachen nicht beheben. Viel eher sei oft Erziehungsberatung gefragt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55462265_quote" /><BR /><BR />Der Kinderarzt sieht Melatonin als eine Art „Einstiegsdroge“. „Es gibt immer Medikamente, die glücklicher machen. Dann gebe ich dem Kind ein Antidepressivum, um die Stimmung aufzuhellen. Aber wo endet das alles?“ Er selbst empfiehlt Melatonin in seiner Praxis nur bei einigen wenigen Kindern mit komplexen Problemen (u.a. Autismus). <BR /><BR />Ansonsten rät er: „Ich warne davor, Probleme mit Medikamenten zu lösen und Probleme vor sich herzuschieben, die man eigentlich in der Familie und mit Erziehungsmaßnahmen lösen sollte. Vor allem aber sollte man es mit einem Arzt besprechen, wann eine Therapie wirklich sinnvoll ist. Man sollte nicht leichtfertig mit solchen Sachen anfangen.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-55462266_quote" /><BR /><BR />Der Präsident der Apothekerkammer, Maximin Liebl, hat auch eine klare Haltung zum Thema Melatonin, obwohl die Produkte rezeptfrei verkäuflich sind und in der Apotheke immer wieder nachgefragt werden: „Persönlich würde ich immer davon abraten, einem Kind Schlafmittel zu geben – außer, es besteht ein bestimmtes Krankheitsbild. Dafür ist dann aber der Arzt zuständig.“<BR /><BR />Den Einsatz hält er auch deshalb für problematisch, weil damit spätere Abhängigkeiten gefördert würden. „Wenn ich als Kind schon lerne, dass ich was nehmen kann, um ruhig zu werden, dann ist das sicher keine gute Lehre.“