Fast die Hälfte der Bevölkerung leidet mittlerweile zumindest zeitweise an Schlafstörungen, sodass man hierbei von einer Volkskrankheit sprechen muss. Was Abhilfe verschafft, erfahren Sie hier.<BR /><BR /><BR /><BR />Interview: Alexander Zingerle<BR /><BR /><b>Frau Dr. Heidbreder, was macht denn eine Schlafforscherin?</b><BR /><BR />Dr. Anna Heidbreder: Sie beobachtet, wie Menschen schlafen, was während des Schlafes passiert, welche Störungen auftreten können oder welche Ursachen im Spiel sind, wenn sich Menschen sogar untertags nicht mehr wachhalten können. Die Schlafforschung befasst sich also mit dem Schlafen und auch dem Wachen. Allerdings widmet sich eine Schlafforscherin sehr viel den Schlafableitungen der Patienten, also allen im Schlaf ausgesandten Biosignalen. Dazu zählen etwa die Atmung, die Sauerstoffsättigung, das EKG, das EEG oder Bewegungen von Beinen, Armen und auch Augen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="627032_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mit welchen Schlafproblemen haben die Patienten am häufigsten zu kämpfen?</b><BR />Dr. Heidbreder: Eine der häufigsten Schlafstörungen ist die Schlaf-Atmungsstörung, im Fachjargon obstruktive Schlaf-Apnoe. Sehr viele Patienten leiden aber auch unter Ein- und Durchschlafstörungen. Hierbei schauen wir im Schlaflabor, ob sie tatsächlich so schlecht schlafen oder ob es sich um eine Fehlwahrnehmung handelt. Manche Schlafstörungen sind auf organische Ursachen zurückzuführen, oder es kommen Patienten mit dem Restless-Leg-Syndrom. Sehr wohl gibt es auch jene Personengruppe, die nachts zwar scheinbar gut schläft, aber sich nicht ausreichend erholt und folglich auch tagsüber einschläft – das sind die Narkolepsie-Patienten. <BR /><b><BR />Wie viele Patienten werden im Schlaflabor der Universitätsklinik für Neurologie betreut?</b><BR />Dr. Heidbreder: Wenn wir alle Kontakte im Schlaflabor zusammennehmen, dann sind das circa 3500 Patienten pro Jahr. Davon kommen etwa 1200 zu einer Schlaflaboruntersuchung, im Fachjargon Video-Polysomnographie. Es lässt sich feststellen, dass Schlafstörungen tatsächlich zu einer Epidemie werden. Man kann davon ausgehen, dass 45 Prozent der Weltbevölkerung an Schlafstörungen im Sinne von Ein- und Durchschlafstörungen leiden – Tendenz steigend. <BR /><BR /><b>Damit kann man von einer Volkskrankheit sprechen. Was sind die Kennzeichen von Ein- und Durchschlafstörungen?</b><BR />Dr. Heidbreder: Auch davon gibt es verschiedene Formen. Jedenfalls spricht man von einer chronischen Insomnie, wenn man mindestens 3 Monate an mehr als 3 Tagen in der Woche unter diesen Ein- und Durchschlafstörungen leidet.<BR /><BR /><b>Welche Behandlung ist dabei zielführend?</b><BR />Dr. Heidbreder: Am besten hilft eine multimodale Behandlung. Betroffene sollen also tatsächlich versuchen, sich an schlafhygienische Maßnahmen zu halten und in ihrer Routine zu implementieren. Der Mensch braucht in aller Regel 7 bis 8 Stunden Schlaf pro Nacht, diese Zeit sollte man sich wie alle anderen Termine auch rot im Kalender anstreichen. Die Schlaftablette kann man vorübergehend nehmen und gewissermaßen als Krücke betrachten.<BR /><BR /><b>Was für schlafhygienische Maßnahmen sind hilfreich?</b><BR />Dr. Heidbreder: Am wichtigsten ist das Einplanen der festen Bettliegezeiten. Untertags zu schlafen, sollte man vermeiden. Wer ein Mittagsnickerchen braucht, sollte das am frühen Nachmittag machen und nicht länger als 30 bis 45 Minuten. Von schweren Mahlzeiten und erhöhtem Trinken vor dem Zubettgehen ist ebenso abzuraten wie vor sportlichen Aktivitäten direkt vor dem Schlafen. Damit fährt man nur wieder sein Stresslevel hoch. Stattdessen sollte man sich ein entspannendes Schlafritual angewöhnen: Manche nehmen ein heißes Fußbad, andere lesen ein paar Seiten, wieder andere meditieren oder schreiben Tagebuch. So kann man den Tag abschließen und zur Ruhe kommen.<BR /><BR /><b>Worauf sollte man im Schlafzimmer achten?</b><BR />Dr. Heidbreder: Es sollte ein kühler, dunkler und angenehmer Raum sein, der nur zum Schlafen vorgesehen ist. Jegliche Elektronik (Computer, Fernseher etc.) sollte aus der Schlafumgebung entfernt werden. Helle Lichtquellen wirken störend, weil sie die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmen. Zudem ist auch von Uhren in der Schlafumgebung abzuraten, wenn man sich mit dem Einschlafen schwer tut.<BR /><BR /><b>Wie wichtig ist gesunder Schlaf für unsere Gesundheit?</b><BR />Dr. Heidbreder: Sehr wichtig, das liegt auf der Hand. Das Motto des diesjährigen Weltschlaftages ist: Regular sleep, healthy future (dt.: Regelmäßiger Schlaf für eine gesunde Zukunft). Wer langfristig zu kurz oder zu wenig schläft, muss mit gesundheitlichen Folgen rechnen. Wir brauchen den Schlaf, um uns zu erholen, um zu lernen und damit die zirkadiane Rhythmik bzw. biologische Uhr eingehalten wird. Während des Schlafs werden Hormone ausgeschüttet, und das Gehirn baut Abfallprodukte ab. Der Schlaf hat also multiple Funktionen, nicht umsonst verbringen wir damit ein Drittel unseres Lebens. Kurzum, es handelt sich um eine lebenswichtige Funktion und um ein menschliches Grundbedürfnis wie Essen und Trinken.<BR />