Major Christoph Schmid im Interview: Das sind seine künftigen Ziele als Landeskommandant des Schützenbundes.<BR /><BR /><b>Welche Akzente wollen Sie als neuer Landeskommandant setzen?</b><BR />Christoph Schmid: Gemeinsam mit der neuen Bundesleitung wird man die Ziele, Meilensteine und die Vorgehensweise definieren. Sicherlich werden wir bewährte Linien weiterfahren und in einigen Bereichen eine noch klarere Kante zeigen. Ich bin bekannt dafür, dass ich die Dinge immer klar und direkt anspreche, jedoch auch immer, wenn nötig, realistische und umsetzbare Lösungen aufzeige. Die Probleme, mit denen wir Südtiroler vermehrt konfrontiert sind, häufen sich. <BR /><BR /><b>Welche Probleme meinen Sie da konkret?</b><BR />Schmid: Stellvertretend möchte ich hier das Ehrenamt, die Schule, den Proporz, die Aushöhlung der Autonomiekompetenzen, die Sicherheit und das leistbare Wohnen anführen. Mehr fordern und weniger verhandeln müsste zu diesen Thematiken die Losung der Politik sein. Mir kommt es manchmal so vor, als ob man an die Dinge nach dem Motto „Willst du nichts erreichen, gründe eine Arbeitsgruppe“ herangeht. Überall dort, wo wir als Schützenbund die Stimme erhoben haben und Fehlentwicklungen aufgezeigt haben, ist die Sache in Schwung gekommen. Denken wir an die Schule oder das Ehrenamt. Diesen Weg werden wir weitergehen. Der Südtiroler Schützenbund wird weiterhin die Speerspitze für die Tiroler Kultur, unsere Lebensart und den Freiheitswillen bleiben. Wir sind das Gewissen des Landes. <BR /><BR /><b>Was wollen Sie anders machen als der amtierende Landeskommandant Roland Seppi?</b><BR />Schmid: Es geht nicht darum, was die neue Bundesleitung und der neu gewählte Landeskommandant anders machen wollen. Das ist anmaßend. Es geht um ein gemeinsames Vorangehen und vorbildlich klare Wege zu beschreiten. Die Welt ist auch in Südtirol angekommen, im Guten wie im Schlechten. Es hat sich über die Jahre eine bestimmte Lethargie und Gleichgültigkeit in vielen Gesellschaftsschichten in Südtirol breitgemacht. Das ist brandgefährlich für uns als Minderheit und für unsere Zukunft.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69201959_quote" /><BR /><b>Warum?</b><BR />Schmid: Schon Magnago hat vor einer gewissen „Verfettung in der Gesellschaft“ gewarnt. Darauf ist zu reagieren, gegebenenfalls klar für unsere Rechte einzustehen, standhaft zu bleiben, die christlichen Werte zu verteidigen und vorzuleben, die Schönheit und Einzigartigkeit unseres Landes aufzuzeigen, weiterhin standhaft im Gegenwind zu stehen. Wir sehen, dass speziell die Jugend in Südtirol sich mit diesen Werten wieder vermehrt identifizieren kann. Das unterstreicht unseren Auftrag umso mehr. <BR /><BR /><b>Sie äußern sich immer wieder zum Thema Schule. Wo herrscht da Ihrer Meinung nach Handlungsbedarf?</b><BR />Schmid: Die deutsche Schule ist einer der Grundpfeiler Südtirols und ein hart errungenes Recht als österreichische Minderheit in diesem Staat. Sie ist das Rückgrat unserer Volksgruppe. Experimente haben hier keinen Platz. Jeder ist herzlich willkommen, aber unter ganz klaren Regeln. Die deutschsprachigen Kinder dürfen im Unterricht in keinster Weise benachteiligt und in ihrer Ausbildung eingeschränkt werden. Dazu sage ich immer unmissverständlich: Hände weg von unseren Schulen, von unseren Kindern und unseren Lehrpersonen. Hier wird der Schützenbund auch in Zukunft eine klare und harte Linie fahren. <BR /><BR /><b>Jürgen Wirth Anderlan und Pius Leitner waren zuerst Landeskommandanten und wurden dann Landtagsabgeordnete. Ist der Landtag auch Ihr Ziel – langfristig?</b><BR />Schmid: Das ist nicht mein Ziel. Meine Kraft und mein Einsatz gelten dem Südtiroler Schützenbund. Für unser schönes Gesamttirol und den Freiheitswillen. Dem Großteil des Südtiroler Landtages würde es guttun, diese Werte bei vielen Entscheidungsfindungen als Grundlage wieder herzunehmen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69228313_quote" /><BR /><b>Ein Schützen-Landeskommandant hat über 100 Termine und Arbeitssitzungen im Jahr. Wie bringen Sie dies mit Ihrem Job unter einen Hut?</b><BR />Schmid: Eigentlich wie bisher. Ein passionierter Amateursportler, ein Trainer oder Gemeinderat werden vermutlich gleich viele, wenn nicht mehr Termine haben. Als Landeskommandant führt man den Schützenbund an, gearbeitet wird aber gemeinsam. Ich arbeite gerne in und mit der Gruppe. Gute Organisation und Vorbereitung, Arbeitsteilung und Koordination sind die Basis. Wenn dann noch Herz dabei ist, dann ist das halb so schlimm. Aber ja, meine Tage sind meistens ausgefüllt und lang. Aber das bin ich seit jeher so gewohnt. Und wenn man die Wichtigkeit der Sache betrachtet, wenn man sich vor Augen hält, was unsere Leute in den harten Zeiten mitgemacht und geopfert haben, dann ist das alles nur ein kleiner, bescheidener Beitrag. Jeder muss in diesem Land zur gegebenen Zeit seinen Beitrag leisten. Das hat Südtirol vor dem Untergang gerettet und auch stark gemacht. Leute, die nur zuschauen, nörgeln und sogar gegen die Rechte und Tiroler Lebensart arbeiten, mag ich nicht.