Sonntag, 25. April 2021

Schützenbund gedenkt Franz Innerhofer

Am 24. April vor genau 100 Jahren verlor der Marlinger Lehrer Franz Innerhofer bei einem genehmigten Trachtenumzug durch Bozen sein Leben. In Erinnerung an den „Bozner Blutsonntag“ hat am gestrigen Samstag in Marling eine Gedenkfeier des Südtiroler Schützenbundes stattgefunden.

Bei einer Gedenkfeier gedachte der Südtiroler Schützenbund Franz Innerhofer.
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Bei einer Gedenkfeier gedachte der Südtiroler Schützenbund Franz Innerhofer. - Foto: © SSB
Zur Eröffnung der Bozner Messe am 24. April 1921 fand ein genehmigter Trachtenumzug durch die Altstadt der Landeshauptstadt statt. Faschisten betrachteten diesen traditionellen Umzug als eine Provokation und organisierten eine Gegendemonstration.

Bei dieser Gegendemonstration kam es zu Gewaltausschreitungen: Rund 50 Personen wurden verletzt; teilweise schwer. Der Marlinger Lehrer Franz Innerhofer, der mit der Musikkapelle seiner Heimatgemeinde an besagtem Trachtenumzug teilnahm, wurde beim Versuch den 8-jährigen Hans Theiner vor einer Gruppe Faschisten zu schützen von einem dieser erschossen.

Mehr zu den Ereignissen vor 100 Jahren, lesen Sie im s+ Artikel.


Gedenkfeier in kleinem Rahmen in Marling

Zur 100. Wiederkehr des Todestages von Franz Innerhofer hat die Schützenkompanie Marling am Samstagnachmittag zusammen mit Abordnungen zahlreicher Schützenkompanien, der Musikkapelle Marling, der Gemeindeverwaltung sowie den Bürgern von Marling in einer gemeinsamen Feier Franz Innerhofer und der Ereignisse von 1921 gedacht.

Nach dem Einmarsch aller Abordnungen zum Kirchplatz und Grußworten vom Hauptmann der Schützenkompanie Marling Markus Kaserer erzählte Reinhard Wetzel, ein Enkel Franz Innerhofers, vom Leben seines Großvaters.

Kein Widerstandskämpfer, sondern ein einfaches Opfer


In seiner Rede hob Wetzel den vielseitigen Einsatz Franz Innerhofers in seiner Heimatgemeinde Marling hervor: „Er war nicht nur ein beliebter und ausgezeichneter Pädagoge, sondern hielt unter anderem Kurse für die bäuerliche Jugend, beriet Bauern speziell in bürokratischen Angelegenheiten, war Chorleiter sowie Organist und schlug die Trommel bei der Musikkapelle.“

Wetzel betonte, dass Franz Innerhofer kein Held und auch kein Widerstandskämpfer, sondern ein einfaches Opfer gewesen sei. „Aber er war ein aufrechter Tiroler, der seine Pflicht getan hat und sich seiner Verantwortung gestellt hat, und als solchen sollten wir ihn in Erinnerung behalten“, so Wetzel.

Abschließend appellierte Wetzel, weiterhin wachsam zu bleiben, da es immer noch Bestrebungen in der Politik gebe, den Südtirolern ihre Autonomie zu nehmen. „Wir sollten (…) darauf achten, dass wir unser Tirolertum erhalten können“, schloss Wetzel.

Briefe, Ehrensalve und Kranzniederlegung


Im Zuge der Feierlichkeiten wurden Briefe in Erinnerung an den „Bozner Blutsonntag“ von einer Marketenderin der Schützenkompanie Marling verlesen.

Außerdem berichtete Rodolfo Weber, ein Welschtiroler Schütze, über den Tod von Giovanni Battista Daprà, der im Gemenge vom 24. April 1921 schwerverletzt wurde und seinen Verletzungen kurze Zeit später erlag.

Die Gedenkfeier endete mit einer Ehrensalve durch die Schützenkompanie Marling und einer Kranzniederlegung.

stol

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