Donnerstag, 09. Mai 2019

Schuldnerberatung: 20 Jahre Beistand in finanziellen Notlagen

Schulden können jede und jeden treffen, doch immer häufiger geraten Menschen mit niedrigem Einkommen in finanzielle Notlagen: Darauf macht die Caritas Schuldnerberatung anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens aufmerksam. 20.000 Menschen haben dort seit der Eröffnung des Dienstes Hilfe und fachlichen Rat erhalten. Dabei waren die Hauptgründe für die Geldsorgen der Ratsuchenden in den Anfangsjahren des Dienstes der Erwerb des Eigenheims und unsachgemäße Haushaltsführung.

Caritas-Direktor Paolo Valente. - Foto: DLife
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Caritas-Direktor Paolo Valente. - Foto: DLife

Heute sind hauptsächlich zu niedriges Einkommen und Arbeitslosigkeit Auslöser für die Notlagen. Um auf die Schuldenproblematik mit ihren weitreichenden Folgen aufmerksam zu machen und eine breite Öffentlichkeit für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld zu sensibilisieren, wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz eine Wanderausstellung unter dem Motto „Hilfe Geld“ am Sitz der Caritas in Bozen eröffnet. Sie beinhaltet Werke von Oberschülern des Kunstgymnasiums „Cademia“ in Gröden sowie Informationen und Tipps rund um den Themenkreis Geld, Armut, Schulden und Schuldenprävention. Die Ausstellung ist in den kommenden Monaten in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck und Schlanders zu sehen.

Schwierige Schuldensituation in den Griff kriegen

Menschen in finanziellen Notlagen aufzufangen, ihre Existenz zu sichern und lebenswerte Perspektiven aufzuzeigen ist seit 2 Jahrzehnten das Ziel der Caritas Schuldnerberatung. „Vor 20 Jahren stellte sich die Caritas die Frage, was die Ursachen der zunehmenden Schuldenprobleme waren und wie man Betroffenen nachhaltig helfen kann“, erläutert Caritas-Direktor Paolo Valente den Grund für den Aufbau einer Schuldnerberatung in Südtirol. Es wurde klar, dass die Betroffenen mehr als nur finanzielle Hilfe brauchten, um schwierige Schuldensituationen in den Griff zu bekommen, denn: „Die Schuldenproblematik ist sehr komplex und hat nicht nur materielle Auswirkungen, sondern beeinträchtigt das tägliche Leben in allen Bereichen“, so Valente.

Um den Betroffenen wieder auf die Beine zu helfen und ihnen zu einer langfristigen Stabilisierung zu verhelfen, brauchte es dringend eine fundierte und fachliche Beratung und Betreuung. So wurde in Anlehnung an vergleichbare Strukturen im nahen Ausland ein Beratungskonzept auf Südtiroler Verhältnisse zugeschnitten. Der Name „Schuldnerberatung“ setzte sich durch. Nach und nach wurden neben dem Büro in Bozen auch Beratungsstellen in Meran, Bruneck und Brixen eingerichtet.

20.000 Südtiroler haben Angebot genutzt

In den vergangenen 2 Jahrzehnten haben 20.000 Südtiroler das Beratungsangebot genutzt, wobei die Nachfrage ständig angestiegen ist. So haben sich im ersten Tätigkeitsjahr noch 441 Ratsuchende an die Schuldnerberatung gewandt und 2018 bereits 1.250. Dabei waren in den Anfangsjahren des Caritas-Dienstes vor allem der Erwerb eines Eigenheims, unterzeichnete Bürgschaften und unsachgemäße Haushaltsführung die Hauptgründe für die Notlage der Ratsuchenden. „Ratenzahlungen, Daueraufträge, Kredit- und Bankomatkarten waren damals relativ neu. Dadurch haben einige Menschen den Überblick über ihre finanzielle Situation verloren. Dazu kamen noch die schnell ansteigenden Kosten beim Kauf eines Eigenheims. Damit haben sich einige Familien finanziell übernommen“, erinnert sich Petra Priller, die fast seit den Anfängen in der Schuldnerberatung tätig ist.

Bis heute haben sich Auslöser und Ursachen für die Schuldenprobleme merklich verändert. Die Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, während die Löhne stagnieren. Dadurch geraten immer mehr Familien und Alleinlebende, vermehrt Rentner, unter Druck“, erläutert die langjährige Schuldnerberaterin. Das zeige auch die Tatsache, dass die Durchschnittshöhe der Gehälter in den vergangenen 2 Jahrzehnten relativ niedrig geblieben sind: 1999 verdienten die Ratsuchenden in der Schuldnerberatung im Schnitt 956 Euro, 2018 waren es 1.249 Euro. „Damit können sich Familien kaum das Notwendigste zum Leben leisten, geschweige denn Reparaturen oder dringend nötige Anschaffungen. Wenn unvorhergesehene Ausgaben dazukommen, oder Schicksalsschläge wie ein Todesfall oder eine schwere Krankheit, beginnt sich das Schuldenkarusell immer schneller zu drehen“, weiß Petra Priller. Gestiegen ist hingegen die durchschnittliche Schuldenhöhe von 35.700 Euro im Jahr 1999 auf 50.700 Euro im vergangenen Jahr.

Veränderte Arbeit in Beratung

Diese Veränderungen haben auch Auswirkungen auf die Arbeit in der Schuldnerberatung. „Die Beratungstätigkeit ist intensiver und komplexer geworden, der Weg aus der Schuldenspirale schwieriger. Wer kaum genug verdient, um die dringendsten Spesen zu begleichen, kann nur schwer Schulden zurückzahlen“, berichtet der Leiter der Caritas Schuldnerberatung, Stefan Plaikner. Die Ratsuchenden stehen oftmals vor dem finanziellen und damit auch seelischen Zusammenbruch. 

Die insgesamt sieben speziell ausgebildeten Schuldnerberater bieten in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck fachliche Beratung und Hilfestellungen an. In den Beratungsgesprächen erarbeiten sie gemeinsam mit den Ratsuchenden einen Überblick über die Schuldensituation und zeigen Lösungsmöglichkeiten auf. Budgetanalysen und Haushaltspläne sind dazu genauso hilfreich wie realistische Ratenvereinbarungen. Im Einverständnis mit den Betroffenen übernehmen die Schuldnerberater auch Verhandlungen mit den Gläubigern. Die Beratung ist diskret und kostenlos.

Wanderausstellung „Hilfe Geld!“

Um Schulden, Geld, Armut und Schuldenprävention geht es auch in der Wanderausstellung „Hilfe Geld!“, die anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Schuldnerberatung heute eröffnet wurde. Sie ist das Ergebnis eines besonderen Projektes am Kunstgymnasiums „Cademia“ in St. Ulrich/Gröden. Dort haben sich Schüler im Laufe dieses Schuljahres in Begleitung des Lehrpersonals und den Schuldnerberatern der Caritas intensiv mit dem Themenkreis rund um Geld und Schulden auseinandergesetzt und dazu ganz persönliche Werke gestaltet. Diese sind gemeinsam mit Informationen und Ratschlägen aus der Schuldnerberatung in den kommenden Monaten in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck, Schlanders zu sehen. Für die Direktorin des Kunstgymnasiums, Elisabeth Baur, ist die Teilnahme an der Jubiläumsaktion der Schuldnerberatung eine wertvolle Ergänzung zum Schulalltag: „Unsere Schulen setzen sich das Ziel, die Schülerinnen und Schüler nicht allein im Erwerb von Fachkenntnissen und - Inhalten zu begleiten, sondern auch lebensnahe Kompetenzen zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung der Caritas trägt zur persönlichen Entwicklung der jungen Erwachsenen bei und gibt ihnen wertvolle Hinweise für das spätere Leben“, so Baur.

Die Landesabteilung Sozialwesen unterstützt die Schuldnerberatung seit ihrer Entstehung mit einem jährlichen Landesbeitrag. „Ohne die öffentliche Finanzierung könnten wir den wichtigen Dienst der Schuldnerberatung nicht führen“, erklärt Caritas-Direktor Paolo Valente. Er bedankt sich auch bei der Stiftung Südtiroler Sparkasse und dem Verein „Südtirol hilft“, die der Caritas für Menschen in Not jährlich eine Unterstützung gewähren.

stol

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