<BR /><BR /><b>Herr Baumgartner, wo lauern die Gefahren für Minderjährige in Sachen sexuelle Ausbeutung und sexuelle Gewalt? <BR /></b>Benno Baumgartner: Es gibt grundsätzlich mehrere Bereiche. Die Täter können unbekannte Personen sein – aber das ist zum Glück nur selten der Fall. Zahlenmäßig relevant sind die Fälle von Missbrauch innerhalb der Familie und im Bekanntenkreis. Dort, wo eine Vertrauensbasis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen aufgebaut wird, können Minderjährige pädophilen Personen zum Opfer fallen. Früher war es im kirchlichen Bereich, heute können es auch außerschulische pädagogische Aktivitäten sein, auch im Bereich Sport. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-72329558_quote" /><BR /><BR /><b>Sollte man von solchen Aktivitäten absehen? <BR /></b>Baumgartner: Nein, im Gegenteil. Diese Aktivitäten sind sehr wichtig für die Sozialisierung und die Stärkung des Kindes und damit auch für den Schutz des Kindes vor solchen Gefahren. Kinder sollen lernen, dass sie nein sagen dürfen, dass die persönliche Würde wichtig ist und sie nicht blind jedem Erwachsenen vertrauen sollten. Vor allem sollen Eltern ihren Kindern den Raum lassen, um zu kommunizieren. Solchen Kindern passiert normalerweise auch nichts – wenn es doch passiert, ist es für die Eltern wichtig, nicht zu schimpfen, sondern zuhören und dann Hilfe holen. Jedenfalls sind starke Kinder, die nicht blind der Autorität folgen, besser geschützt. <BR /><BR /><b>Sie haben gesagt, dass Fälle innerhalb der Familie zahlenmäßig relevant sind. <BR /></b>Baumgartner: Ganz selten ist dabei ein Elternteil der Täter – bei der Neuzusammensetzung von Familien ist es aber häufiger der Fall. <BR /><BR /><b>Bei sogenannten Patchwork-Familien? <BR /></b>Baumgartner: Es gibt Fälle von neuen Familienmitgliedern, etwa wenn ein Elternteil nach der Trennung einen neuen Partner findet, der sexuelle Annäherungsversuche an die Kinder der Familie unternimmt. Normalerweise liegt die strafrechtliche Verfolgung im Zuständigkeitsbereich des Landesgerichts, zumal die Täter meist volljährig sind.<BR /><BR /><BR /><b>Wann wird die Jugendstaatsanwaltschaft eingeschaltet? <BR /></b>Baumgartner: Wenn der Verdacht besteht, dass die Eltern oder Erziehungsberechtigten den Missbrauchsfall nicht ernst nehmen und zum Schutz des Minderjährigen eingegriffen werden muss. Solange die Eltern ihre Pflichten wahrnehmen, müssen wir nicht eingreifen. Die allererste Folge für einen Elternteil, dessen Kinder vom neuen Partner belästigt werden, sollte es sein, die Beziehung und den Kontakt zu dieser Person zu unterbrechen. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-72333642_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Gefahren lauern heute aber auch im Internet. <BR /></b>Baumgartner: Dort gibt es zwei Problembereiche: Einerseits Minderjährige, die von Erwachsenen kontaktiert werden und aufgefordert werden, Bilder zu übermitteln. Oft kommt es dazu, dass Minderjährige nach dem Verschicken des ersten Bildes erpresst werden. Seltener kommt es auch zu einem Treffen zwischen dem Erwachsenen und dem Minderjährigen nach der Kontaktaufnahme im Netz.<BR />Ein anderes Problem ist die Kinderpornografie. Die Postpolizei führt immer wieder Ermittlungen durch und hebt ganze Banden aus. Die internationale Zusammenarbeit ist in diesem Bereich intensiv. <BR /><BR /><b>Wurde bei solchen grenzüberschreitenden Ermittlungen zu Kinderpornos auch die Bozner Jugendstaatsanwaltschaft eingeschaltet? <BR /></b>Baumgartner: Es hat auch Fälle gegeben, bei denen in Zusammenhang mit italienweiten Ermittlungen zu Kinderpornografie auch das Bozner Jugendgericht eingeschaltet wurde. Details darf ich aber keine preisgeben. <BR /><BR /><b>Was hilft, um Kinder auch im Netz vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch zu schützen? <BR /></b>Baumgartner: Eine konkrete Gefahr stellt das Netz für Kinder dar, die nicht kommunizieren. Auch hier ist der Dialog überaus wichtig. Die Eltern sollten die Internetnutzung der Kinder kontrollieren, bei Jugendlichen ist es schwieriger – umso wichtiger ist es, einen offenen Dialog mit ihnen führen zu können. Im Land werden Minderjährige an Schulen und in Vereinen sensibilisiert, unter anderem mit Kampagnen in Zusammenarbeit mit der Postpolizei. Prävention in der Öffentlichkeit und daheim, im Dialog mit den Kindern, sind ausschlaggebend.