<b>von Florian Mair</b><BR /><BR /><b> Herr Gritsch, wie kommt ein Ötztaler dazu, die Schneeberghütte zu pachten? War es die richtige Entscheidung oder bereuen Sie sie? Was macht diese Schutzhütte besonders?</b><BR />Raimund Gritsch: Das Ötztal liegt ja in der Nachbarschaft. Und wir als Familie kannten die Hütte schon von früher als Gäste und sind vom Schneeberg deshalb schon seit langer Zeit begeistert. Ich bereue es in keiner Weise, sie für sechs Saisonen gepachtet zu haben. Zudem hatten wir in der Vergangenheit eine Nachbarhütte – die Siegerlandhütte – elf Jahre lang in Pacht. Die Kombination aus Museum, Bergbau und Schutzhütte macht den Schneeberg einzigartig. Er ist ein Kraftplatz. Und die umliegende Almbewirtschaftung gibt dem Ganzen eine besondere Note.<BR /><BR /><b>Die Saison am Schneeberg hat Mitte Juni begonnen. Sind Sie mit der bisherigen Anzahl an Nächtigungen und Tagesgästen zufrieden? Welche Ziele haben Sie sich bis zur Schließung Mitte Oktober gesetzt?</b><BR />Gritsch: Mit der Anzahl der Gäste sind wir zufrieden. Auf eine bestimmte Nächtigungszahl haben wir uns eigentlich nicht festgelegt. Bisher waren es sicher mehr als 1.000 Übernachtungen, wir rechnen aber erst am Ende der Saison zusammen. Uns ist es primär wichtig, die Gäste, die uns besuchen, gut zu versorgen. Wir hatten heuer das Gefühl, dass aufgrund der Hitzewellen viele Menschen in die Berge gegangen sind. Es gab auch zwei erfolgreiche Veranstaltungen: das Jazzfestival im Rahmen der Südtiroler Jazztage und den vom Schneeberger Knappenverein Passeier veranstalteten Kirchtag.<BR /><BR /><b> Ex-Hüttenwirt Heinz Widmann kritisierte im Vorjahr, dass es an Führungen mangle, am weitläufigen Museumsgelände der Zahn der Zeit nage und der derzeitige Schauraum in der Schutzhütte nicht gut ankomme. Sehen Sie die Situation auch so?</b><BR /> Gritsch: Die Anzahl der Führungen reicht in meinen Augen aus. Sie kommen sehr gut an und sind gut organisiert. Von beiden Seiten, Ridnaun und Passeiertal, gibt es immer zahlreiche Teilnehmer, auch wenn es einmal regnet. Und wer möchte, kann sich hier am Schneeberg einer Führung anschließen. Natürlich nagt der Zahn der Zeit an einer solchen Einrichtung, immer wieder sind aber Verantwortliche des Bergbaumuseums vor Ort. Sie kümmern sich um die Anlage und sorgen für Verbesserungen und Reparaturen. Neu ist die Fotoausstellung in der Schmiede. Der Schauraum ist interessant gestaltet und kommt gut an. Die Gäste sprechen immer wieder darüber, was sie alles erfahren haben. Auch die Schutzhütte selbst ist in einem guten Zustand. Wenn ich Kritik üben würde, dann wäre das nicht ehrlich. Dem Betrieb Bergbaumuseum, dem Vermögensamt, den Tourführern und Heinz Widmann sei für ihre Unterstützung gedankt.<BR /><BR /><b>Der Betrieb des hütteneigenen E-Werks ist aufgrund von Wasserproblemen bekanntlich schwieriger geworden. Wie stellt sich die Situation dar?</b><BR />Gritsch: So wie überall fehlt es auch hier an Niederschlägen. Der Strom aus Wasserkraft deckt aber den Grundbedarf, zum Beispiel für Kühlanlagen und Küchengeräte, größtenteils ab. Das E-Werk wurde aber durch eine neue Steuerung optimiert, um einen besseren Energieertrag zu erzielen, was auch funktioniert.<BR /><BR /><b> Gibt es Bemühungen, Alternativen zu den teuren Hubschrauberflügen für den Materialtransport zu finden?</b><BR />Gritsch: Neben den Hubschrauberflügen wird die Schutzhütte heuer erstmals auch per Drohne beliefert. Diese Möglichkeit nutzen wir sehr ausgiebig, vor allem um uns mit Frischware wie Salat und Gemüse zu versorgen. <BR /><BR /><b>Viele Betriebe finden keine Mitarbeiter. Wie ist es Ihnen bei der Personalsuche ergangen?</b><BR />Gritsch: Gut. Wir sind personell bestens aufgestellt – auch mit zwei einheimischen Kräften. Zudem arbeitet meine ganze Familie mit – meine Partnerin Edeltraud sowie unsere beiden Töchter Theresa und Lisa.