Donnerstag, 13. August 2020

Schutzmasken aus China: Testergebnis völlig negativ

Untauglich als Covid-19-Schutz – so stuft Amtsgutachter Giovanni Stella die von ihm untersuchten Stichproben aus der Maskenlieferung aus China für den Sanitätsbetrieb ein.

Die Schutzmasken aus China.
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Die Schutzmasken aus China. - Foto: © LPA
Untauglich als Covid-19-Schutz – so stuft Amtsgutachter Giovanni Stella die von ihm untersuchten Stichproben aus der Maskenlieferung aus China für den Sanitätsbetrieb ein. Für Generaldirektor Florian Zerzer könne man daraus vorerst keine Schlüsse ziehen: „Die Masken stammen von verschiedenen Lieferanten, eine einheitliche Qualität ist offenbar nicht gegeben: Wir haben auch Gutachten, die positiv sind“, sagt er.

Schutzanzüge in 3 Partien unterteilt


Die Schutzanzüge, die inzwischen grünes Licht vom INAIL erhalten haben (wir berichteten), unterteilen Stella und sein Kollege Sandro Lamicela in 3 Partien. Ein Drittel der Stichproben sei tauglich – allerdings beschränkt auf die nun vom INAIL erteilte Ausnahmegenehmigung in Covid-Zeiten. Sollte man die Anzüge danach weiter verwenden wollen, müssten sie auch anderen gesetzlich festgelegten Anforderungen genügen.

Ein weiteres Drittel aus der Lieferung in der Akut-Phase der Pandemie, als alle Welt händeringend nach Schutzmaterial suchte, stuft der Gutachter als bedingt tauglich ein: Diese Anzüge müssten mit Umsicht eingesetzt werden. Die Stichproben aus dem 3. Drittel schließlich wurden als ungeeignet befunden.

Zum selben Schluss wie für die letztgenannten Anzüge kommt der Sachverständige für alle getesteten Stichproben der Schutzmasken. Weder entsprächen sie der europäischen Norm EN149 – nicht einmal im Sinne der Notstands-Ausnahmeregelung – noch der entsprechenden chinesischen Norm GB2626. Der Gutachter merkt an, dass das chinesische Äquivalent zu den europäischen FFP2-Masken eigentlich nicht die mit KN95 ausgewiesenen Masken seien, sondern jene mit KP95-Standard. Geeignet seien KN95-Masken aber durchaus auch.

Rolle von Zerzer und Engl auf dem Prüfstand

Nur: Die untersuchten Stichproben würden dem KN95-Standard absolut nicht entsprechen, obwohl einige sogar explizit als solche gekennzeichnet seien. Am 15. September werden Amts- und Parteiengutachter vor Richter Peter Michaeler ihre Erkenntnisse darlegen. Nach Abschluss dieses Beweissicherungsverfahrens ist der Staatsanwalt am Zug. Wie berichtet, wird im Zusammenhang mit den Schutzmaterialien wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Gesetzesdekret 67 aus dem Jahr 1992 ermittelt. Artikel 14 dieses Dekretes sieht vor, dass importiertes Sanitätsmaterial dem Gesundheitsministerium zur Begutachtung vorgelegt werden muss, ehe es zum Einsatz kommen darf.

Am Prüfstand steht die Rolle des Generaldirektors des Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer, und jene von Oberalp-Chef Christoph Engl. Die Schutzausrüstung war über Vermittlung der Firma Oberalp nach Südtirol gekommen, diese hatte die Kaufsumme von knapp 10 Mio. Euro vorgestreckt. Die Rechnung für jenen Teil der Ware, der effektiv geliefert wurde, hat der Sanitätsbetrieb bezahlt: 6 Mio. Euro. Den Rest habe man noch nicht bezogen – und auch nicht bezahlt, sagt Generaldirektor Zerzer.

Vorerst ließen sich aus der Untersuchung der Stichproben keine Schlüsse ziehen: „Eine einheitliche Qualität ist offenbar nicht gegeben, die Masken stammen von mehreren Lieferanten“, sagt er. Einem Gutachten der Zertifizierungsfirma Dekra von Ende Juni zufolge, für das ein bestimmter Lieferanteil untersucht wurde, stellten die Masken keinerlei Risiko dar, sie hätten sogar eine sehr gute Filterfunktion. Beanstandet worden sei nur, dass sie, wenn der Träger ausatmet, einen zu hohen Widerstand aufweisen würden. Und es reiche schon aus, dass nur ein einziger von vielen Parametern beanstandet werde, um Schutzmaterialien als ungeeignet einzustufen, so Zerzer. Das hat auch Gutachter Stella hervorgehoben.

d/rc

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