Freitag, 05. Juli 2019

Schutzzäune gegen den Wolf: Tödliche Falle für Wildtiere

Die Wirkung von Schutzzäunen im Kampf gegen den Wolf ist höchst umstritten. Sicher ist dagegen, dass sie für das Wild eine Gefahr darstellen.

Auf der Plattkofel-Alm stieß Michael Tirler, der Hirt auf der Plattkofel-Alm vor kurzem auf 2 Rehe, die sich in den Maschen des Kunststoffzauns erhängt hatten.
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Auf der Plattkofel-Alm stieß Michael Tirler, der Hirt auf der Plattkofel-Alm vor kurzem auf 2 Rehe, die sich in den Maschen des Kunststoffzauns erhängt hatten.

Die Wirkung von Schutzzäunen im Kampf gegen den Wolf ist höchst umstritten. Sicher ist dagegen, dass sie für das Wild eine Gefahr darstellen. Immer wieder passiert es, dass sich Wildtiere darin verfangen und qualvoll verenden müssen. Auf der Plattkofel-Alm stieß der Hirt vor kurzem auf 2 Rehe, die sich in den Maschen des Kunststoffzauns erhängt hatten.

„Dieses Bild haben wir überall im Land, wo Herdenschutzzäune stehen; da schneiden wir dann halt das tote Tier heraus und flicken den Zaun“, sagt Michael Tirler, der Hirt auf der Plattkofel-Alm. Vieles ist er mittlerweile gewohnt, und doch zerreißt es ihm jedes Mal das Herz – wenn er ein Reh findet, das sich im Zaun selbst stranguliert hat.

„Es passiert genau das, was wir immer schon vorhergesagt haben: Die empfohlenen Schafzäune und Herdenschutzzäune – auch bei ordnungsgemäßer Aufstellung – werden von Wölfen spielend übersprungen oder untergraben, und flüchtige Wildtiere verenden darin“, sagt Kastelruths Bürgermeister Andreas Colli. Die Politik sei bisher nicht in der Lage gewesen, vernünftige Antworten auf die Wolfsproblematik zu geben und versage kläglich. Deshalb dürfe man sich absolut nicht wundern, wenn die Betroffenen selbst nach zielführenden Lösungen suchten.

Auch Tirler ist enttäuscht. „Wenn die Politiker etwas wollen, dann geht es schnell – und sonst geht nichts“, kritisiert er. Die Hüterei mache jedenfalls keinen Spaß mehr. Die Angst, Tiere zu verlieren, sei ständig da. 35 Stück fielen im vergangenen Sommer auf der Plattkofel-Alm dem Wolf zum Opfer. „Das ist ein ganzer Stall“, sagt Tirler, traurig und wütend zugleich.

Auch die Bauern resignieren. Weideten andere Jahre noch 450 Schafe auf der Plattkofel-Alm, so sind es mittlerweile nur noch 14 Stück. „Wir halten sie in einer eingezäunten Koppel – wie die wenigen Ziegen, die wir noch haben. Die Kälber bringen wir allabendlich in den Stall“, erklärt Tirler. Und doch weiß er: Der Wolf kommt auch untertags. Wie im vergangenen Sommer.

Kein Schadensersatz ohne Schutzzäune

Auch heuer wird es nicht ohne Schäden abgehen, denn der Herdenschutzzaun stellt für den Wolf kein Hindernis dar. „Wir schleppen ganze Pack auf Kraxen hinauf auf den Berg und stellen die Zäune auf, sonst bekommen wir nichts ausgezahlt, wenn der Wolf reißt“, betont Tirler. Zurzeit herrsche Ruhe, aber die Wölfe seien plötzlich da und plötzlich auch wieder weg.

Die Herdenschutzzäune prägen mittlerweile das Bild auf vielen Almen in Südtirol. Ob sie den Wolf abhalten, bezweifeln die Bauern und Hirten. Beim Wildwechsel jedenfalls sind sie tödliche Fallen.

D/br

stol