Die Bandenkriminalität in Schweden eskaliert weiter – besonders besorgniserregend ist dabei die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen für kriminelle Aktivitäten.<h3>Dramatischer Anstieg der Mordverdächtigen unter 15 Jahren</h3> Wie der österreichische Kurier berichtet, stieg die Anzahl der Mordfälle, bei denen die Verdächtigen unter 15 Jahre alt sind, zunächst dramatisch an. Laut der Staatsanwaltschaft erhöhte sich diese Zahl von 31 Fällen in den ersten 8 Monaten des Jahres 2023 auf 102 im gleichen Zeitraum 2024.<BR /><BR />Johan Olsson, der Chef der schwedischen Polizei, erklärte im Oktober gegenüber Journalisten, dass die Auftragsvergabe wie ein „Markt“ organisiert sei, auf dem Mordaufträge in Diskussionsforen veröffentlicht werden. Die Täter werden immer jünger, da Kinder unter 15 Jahren noch nicht strafrechtlich verfolgt werden können.<h3> Rekrutierung über Soziale Medien</h3>Die Banden nutzen verschlüsselte Messenger-Dienste wie Snapchat oder Signal, um Minderjährige für Mordaufträge zu rekrutieren. Zusätzlich erschwert die wachsende Rolle sogenannter „Crimefluencer“ auf Plattformen wie TikTok die Situation. Diese Personen glorifizieren das Leben in der Kriminalität und vermitteln zugleich Kontakte zwischen Auftraggebern und Auftragskillern, wie der Kriminologe Sven Granath berichtete.<h3> „Kann es kaum erwarten, meine erste Leiche zu sehen“</h3>Ein erschütterndes Beispiel ist der Fall eines erst 11-jährigen Jungen, der auf Instagram schrieb: „Bruder, ich kann es kaum erwarten, meine erste Leiche zu sehen.“ Ein 19-jähriges Bandenmitglied bot ihm umgerechnet 13.000 Euro für einen Mord, einschließlich Kleidung und Transport. In diesem Fall werden vier Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren beschuldigt, vier Minderjährige zwischen elf und 17 angeworben zu haben, für eine kriminelle Bande zu arbeiten. Alle wurden festgenommen, bevor die Verbrechen verübt werden konnten.<h3> „Heutzutage will jeder ein Mörder werden“</h3>Die angeworbenen Kinder stammen häufig aus schwierigen Verhältnissen, haben Probleme in der Schule oder mit der Familie und suchen nach Anerkennung. Laut Viktor G., einem ehemaligen Gangmitglied, „will heutzutage jeder ein Mörder werden.“ Er spricht von einer skrupellosen Ausbeutung: „Die Bandenbosse wollen selbst kein Risiko eingehen und verstecken sich hinter Pseudonymen.“<BR /><BR />Laut dem Bericht des Nationalen Rates für Kriminalprävention suchen sich manche Jugendliche sogar gezielt kriminelle Aufträge, um Geld, Anerkennung oder den „Kick“ zu bekommen. Doch sie glauben nicht an eine Zukunft für sich, wie Grewe erklärt: „Diese Jugendlichen denken, dass sie sowieso nicht älter als 25 werden.“<BR /><h3> ZDF: Bericht über jugendliche Bandenkriminalität</h3>Auch der ZDF beleuchtet in seinem Bericht „Gangs of Sweden: Wenn Teenager zu Auftragskillern werden“ die traurige Realität mancher Kinder in Schwedens Vorstädten. In Rinkeby, nur wenige U-Bahn-Stationen vom Zentrum Stockholms entfernt, etwa gehört Bandenkriminalität zum Alltag. Allein in den letzten 12 Monaten starben in Schweden 41 Menschen durch Schießereien, 70 weitere wurden verletzt.<BR /><BR />Die Gewalt ist allgegenwärtig. Ein Mann wurde in Rinkeby am helllichten Tag vor einem Restaurant erschossen – eine Tat, die symbolisch für die Eskalation steht. „Solche Morde passieren mitten im Zentrum, wo viele Menschen sind,“ berichtet der ZDF. Bei den Anschlägen geraten oft auch Unbeteiligte in die Schusslinie.<h3> <b>Viele Morde bleiben ungelöst</b></h3>Liban Warsame, dessen Sohn im Alter von 19 Jahren erschossen wurde, kämpft seitdem dafür, andere Jugendliche vor der Kriminalität zu bewahren. „Seit 2015 habe ich über 30 Kinder zu Grabe getragen. Die Jüngsten waren 14, 15, 16 Jahre alt.“ Die Polizei ermittelt, doch viele Morde bleiben ungelöst. Laut dem Bericht werden Mordaufträge häufig über soziale Netzwerke wie Snapchat vergeben.<BR /><BR /><BR />Helga Jassad, Rektorin in einem betroffenen Viertel, kämpft für eine bessere Zukunft ihrer Schüler. „Wenn es uns gelingt, junge Menschen für demokratische Werte zu gewinnen, können wir die Situation verbessern.“ Doch die Banden rekrutieren auch an Schulen, sodass Jassad eng mit der Polizei zusammenarbeiten muss.<BR /><BR />Polizeipräsenz und Vorbilder aus der Gesellschaft geben einigen Jugendlichen die Perspektive, einen anderen Weg einzuschlagen. Warsame und andere engagierte Personen versuchen, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.