Donnerstag, 25. Juni 2020

Schweden: Verurteilungen wegen Vergewaltigung stark gestiegen

Ein seit 2 Jahren geltendendes Gesetz zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr hat in Schweden zu einem deutlichen Anstieg von Verurteilungen wegen Vergewaltigung geführt. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des schwedischen Rats zur Krisenprävention nahmen die Verurteilungen binnen 2 Jahren um 75 Prozent zu.

Das Gesetz wurde im Jahr 2018 als Reaktion auf die #MeToo-Bewegung verabschiedet.
Das Gesetz wurde im Jahr 2018 als Reaktion auf die #MeToo-Bewegung verabschiedet. - Foto: © shutterstock
Das Gesetz stuft Geschlechtsverkehr ohne ausdrückliche Zustimmung der Beteiligten als Vergewaltigung ein. Danach macht sich ein Mensch auch ohne Drohungen und Gewaltanwendung schuldig.

Im Jahr 2017, ein Jahr vor Inkrafttreten des Gesetzes, gab es 190 Verurteilungen wegen Vergewaltigung. Im Jahr 2019 gab es 333 Schuldsprüche. 76 Fälle seien verhandelt worden, die ohne die Gesetzesänderung nicht strafrechtlich verfolgt worden wären, hieß es in der Studie.

Als Reaktion auf #MeToo-Bewegung

Das seit 1. Juli 2018 geltende Gesetz sieht zudem den Tatbestand der „fahrlässigen Vergewaltigung“ vor, nach dem er sich „des Risikos hätte bewusst sein müssen, dass die andere Person nicht freiwillig“ an dem Geschlechtsakt teilnimmt. Hier gab es laut der Studie im Jahr 2019 lediglich 12 Verurteilungen. Der Studie zufolge hatten die Gerichte Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Fahrlässigkeit und Absicht.

Um diese „Grauzone“ zu beseitigen, reiche das Gesetz nicht aus, da es oft einen Mangel an Beweisen gebe, erklärten die Forscher. Das Gesetz wurde als Reaktion auf die in sozialen Netzen entstandene #MeToo-Bewegung verabschiedet.

apa/afp