Samstag, 09. Januar 2016

Schweigen gebrochen: Schael setzt Maulkorb-Erlass aus

Diesem Druck hat der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs nicht standhalten können: Am Samstag hat Thomas Schael den Maulkorb-Erlass für seine Mitarbeiter ausgesetzt.

Thomas Schael
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Thomas Schael

Wie der Südtiroler Sanitätsbetrieb in einer Pressemitteilung kurz vor Samstagmittag wissen lässt, habe die Direktion des Südtiroler Sanitätsbetriebs mit dem Vertreter der Primargewerkschaft ANPO Hubert Messner vereinbart, gemeinsam einen Verhaltenskodex für die Kommunikation nach innen und nach außen zu erarbeiten.

Will heißen: Schael setzt den umstrittenen Maulkorb-Erlass aus.

Wie berichtet, hatte der Generaldirektor seine Mitarbeiter angewiesen, Schwierigkeiten im Sanitätsbetrieb nicht nach außen – sprich zur Gesundheitslandesrätin und zur Presse – zu tragen. Gegen Primar Reinhold Perkmann, der gegen diese Anweisung verstoßen haben soll, war ein Disziplinarverfahren angestrengt worden. An dessen Ende sollte eine Disziplinarverfügung stehen, die "von einer Archivierung über einen schriftlichen Verweis bis zu einer Gehaltskürzung" reichen könne, erklärte Perkmanns Rechtsbeistand Peter Paul Brugger in der Wochenend-Ausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

Doch die Gewerkschaft ANPO rebellierte, der Fall geriet an die Öffentlichkeit. Nun musste Schael zurückrudern.

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"Mehrere Gespräche" brechen das Eis

Zwischen Schael und Primar-Vertreter Messner habe es, so schreibt der Sanitätsbetrieb, "mehrere Gespräche" gegeben.

Die ANPO erkenne an, dass es eine Regelung der Kommunikation brauche. Doch fordert die Gewerkschaft, dass diese Regeln gemeinsam erarbeitet werden. Generaldirektor Schael wiederum zeige sich an einer "konstruktiven Gesprächskultur im Betrieb" interessiert. "Wir müssen Wege finden, uns lösungsorientiert und jenseits gegenseitiger Schuldzuschreibungen auseinanderzusetzen", wird er in der Mitteilung des Sanitätsbetriebs zitiert.

Ein neuer "Verhaltenskodex" soll's richten

Sowohl die Bedürfnisse der Primare als auch jene des Generaldirektors sollen nun in den neuen "Verhaltenskodex" einfließen. "Damit sind für mich auch die internen Regelungen (sprich der Maulkorb-Erlass; Anm.d.Red.), die derzeit im Kreuzfeuer der Kritik stehen, vom Tisch", so Schael. Vermutlich hat dies auch Auswirkungen auf das Disziplinarverfahren gegen Dr. Perkmann. 

Der neu erarbeitete Verhaltenskodex solle, so heißt es aus dem Sanitätsbetrieb, am Ende nicht nur für Primare, sondern für alle Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes gelten. Bei der Gewerkschaftssitzung am kommenden Donnerstag soll das Thema "neuer Verhaltenskodex" auf den Tisch kommen.

pg/stol

stol